Klimafitte Bäume und Sträucher: Gehölze für Tiere und trockene Sommer
von belmedia Redaktion #Schweizweit Allgemein Eltern elterntipps.ch Frühling Garten gartenaktuell.ch Gartengestaltung Grosseltern Haus, Garten & Einrichtung Herbst hometipp.ch Inspiration Jahreszeiten Landschaftsarchitektur nachrichtenticker.ch Natur & Umwelt News Pflanzen Regionen Schweiz Sommer Themen Tiere Tierwelt tierwelt.news Tipps Trends Wildtiere wohnenaktuell.ch
Heissere Sommer, längere Trockenperioden und zunehmend aufgeheizte Siedlungsräume verändern die Bedingungen für Bäume und Sträucher in Mitteleuropa. Bei Neupflanzungen zählt deshalb stärker, ob ein Gehölz Wärme und zeitweisen Wassermangel verträgt. Für einen ökologisch wertvollen Garten reicht Trockenheitsverträglichkeit allein jedoch nicht: Geeignete Arten können zugleich Blüten, Früchte, Raupenfutter, Verstecke und Nistmöglichkeiten für heimische Tiere bieten.
Besonders interessant sind Gehölze, die bereits heute an warmen oder trockenen Standorten Mitteleuropas vorkommen. Feldahorn, Elsbeere, Speierling und manche Eichen gehören ebenso dazu wie Kornelkirsche, Weissdorn, Schlehe, Wolliger Schneeball und Wildrosen. Entscheidend ist allerdings keine allgemeine Liste von „Klimabäumen“: Boden, Winterhärte, Wurzelraum, Wasserversorgung und die spätere Grösse müssen zum konkreten Standort passen.
Warum trockenheitsverträgliche Gehölze wichtiger werden
Die Schweiz hat sich bereits deutlich erwärmt. Die aktuellen Schweizer Klimaszenarien zeigen für die Zukunft häufiger auftretende und intensivere Hitze sowie zunehmend trockene Sommerböden. Höhere Temperaturen verstärken die Verdunstung, während längere niederschlagsarme Phasen die Wasserversorgung von Pflanzen belasten.
Für Gärten bedeutet dies nicht, dass künftig ausschliesslich mediterrane Arten gefragt sind. Mitteleuropa behält kalte Winter, Spätfröste, Starkniederschläge und grosse regionale Unterschiede. Ein Gehölz muss deshalb häufig mehrere Extreme aushalten: einen trockenen Juli ebenso wie Frost im Winter oder einen sehr nassen Boden nach intensiven Regenfällen.
Gerade diese Kombination macht die Pflanzenwahl anspruchsvoll. Ein Baum, der auf einem sonnigen Kalkhang hervorragend wächst, kann in einem schweren, zeitweise vernässten Lehmboden ungeeignet sein. Hohe Trockenheitstoleranz allein macht deshalb noch keinen guten Gartenbaum.
Beim „Klimabaum“ entscheidet zuerst der Standort
Der Begriff „Klimabaum“ ist keine botanische Kategorie. Meist werden darunter Arten zusammengefasst, denen eine vergleichsweise gute Eignung für wärmere und trockenere Bedingungen zugeschrieben wird. Auch diese Gehölze besitzen jedoch Belastungsgrenzen.
Schweizer Forschungsarbeiten nennen unter den heimischen Arten beispielsweise Feldahorn, Speierling, Elsbeere, Winterlinde, einzelne Eichenarten, Kirschen und Weissdorn als vergleichsweise wärme- und trockenheitstolerante Kandidaten. Welche davon tatsächlich geeignet sind, hängt jedoch stark vom Standort ab.
Vor einer Pflanzung sollten deshalb einige grundlegende Punkte geklärt werden:
- Wie viele Stunden direkte Sonne erreicht den Standort?
- Ist der Boden sandig, lehmig, steinig oder kalkreich?
- Kann Regenwasser gut versickern?
- Wie gross ist der langfristig durchwurzelbare Bodenraum?
- Wie hoch und breit darf der Baum später werden?
- Wie stark trocknet der Boden in einem heissen Sommer aus?
Ein grosszügiger unversiegelter Wurzelraum ist dabei besonders wichtig. Selbst eine trockenheitsverträgliche Art kann dauerhaft leiden, wenn ihre Wurzeln zwischen Fundament, Terrasse, Parkplatz und verdichtetem Untergrund kaum Platz finden.
Heimische Bäume und Sträucher bieten Tieren mehr als Blüten
Der ökologische Wert eines Gehölzes lässt sich nicht allein an auffälligen Blüten ablesen. Pflanzen erfüllen über das gesamte Jahr unterschiedliche Funktionen. Blüten liefern Pollen und Nektar, Blätter dienen Raupen und anderen Pflanzenfressern als Nahrung, während Früchte und Samen später von Vögeln und Kleinsäugern genutzt werden.
Hinzu kommt die Struktur. Dornige Sträucher bieten geschützte Nistplätze, dichte Kronen dienen als Rückzugsraum und ältere Bäume entwickeln mit der Zeit Borkenspalten, Höhlungen und Totholzbereiche.
Gerade heimische Arten besitzen einen wichtigen Vorteil: Viele mitteleuropäische Tiere haben sich über lange Zeiträume an diese Pflanzen angepasst. Auf Weissdorn können beispielsweise mehr als 160 Insektenarten vorkommen. Schwarzdorn und Wildrosen bieten durch ihr dichtes und dorniges Geäst zugleich Schutz für Vögel.
Eine exotische Pflanze kann durchaus reichlich Nektar produzieren. Für spezialisierte Raupen oder andere Pflanzenfresser kann sie dennoch deutlich weniger wertvoll sein.
Feldahorn: Robuster heimischer Baum für warme Gärten
Der Feldahorn, Acer campestre, gehört zu den interessantesten heimischen Bäumen für warme Tieflagen. Er besitzt ein grosses europäisches Verbreitungsgebiet und kommt mit Hitze und zeitweiliger Trockenheit vergleichsweise gut zurecht.
Für private Gärten besitzt er einen weiteren Vorteil: Er bleibt meist kleiner als mächtige Eichen oder Linden. Je nach Wuchsform lässt er sich als einzelner Baum, mehrstämmiges Gehölz oder Bestandteil einer höheren Hecke einsetzen.
Im Frühjahr erscheinen kleine gelbgrüne Blüten. Später entwickeln sich die typischen paarigen Flügelfrüchte. Die Blätter werden von verschiedenen Insekten genutzt, während eine grössere Krone Verstecke, Sitzplätze und Schatten schafft.
Dauerhaft vernässte oder sehr saure Standorte gehören allerdings nicht zu seinen bevorzugten Bedingungen. Auch beim Feldahorn entscheidet deshalb die Kombination aus Baumart und Standort.
Elsbeere und Speierling: Seltene heimische Bäume mit Zukunftspotenzial
Elsbeere und Speierling sind in privaten Gärten deutlich weniger verbreitet als Ahorn, Linde oder Zierkirsche. Für wärmere Standorte sind beide dennoch interessant.
Die Elsbeere, Sorbus torminalis, wächst natürlicherweise vor allem in wärmeren Lagen Europas. Sie kommt auf geeigneten Böden mit zeitweiser Trockenheit zurecht, trägt im Frühjahr weisse Blüten und entwickelt anschliessend kleine Früchte.
Auch der Speierling, Sorbus domestica, gehört zu den wärmeliebenden Baumarten. Seine Früchte erinnern je nach Form an kleine Äpfel oder Birnen. Als ausgewachsener Baum benötigt er allerdings ausreichend Raum.
Beide Arten zeigen, dass Klimaanpassung nicht zwangsläufig den Austausch heimischer Vegetation durch exotische Pflanzen bedeutet. Einige bisher relativ selten gepflanzte europäische Arten bringen bereits Eigenschaften mit, die unter wärmeren Bedingungen wertvoll werden können.
Eichen: Ökologisch wertvoll und teilweise erstaunlich trockenheitsfest
Eichen gehören zu den ökologisch besonders bedeutenden Baumgruppen Mitteleuropas. Blätter, Knospen, Rinde, Eicheln, Totholz und später entstehende Höhlungen werden von zahlreichen Organismen genutzt.
Für wärmere Standorte kommen je nach Boden und Region unterschiedliche Arten infrage. Die Traubeneiche verträgt trockene Bedingungen vergleichsweise gut. Noch stärker an trockenwarme Standorte angepasst ist die Flaumeiche, die auch in besonders wärmebegünstigten Regionen der Schweiz natürlich vorkommt.
Eine Flaumeiche gehört dennoch nicht pauschal in jeden Garten. Warme, häufig kalkreiche und gut drainierte Standorte entsprechen ihren natürlichen Ansprüchen wesentlich besser als schwere Böden mit Staunässe.
Der Platzbedarf darf ebenfalls nicht unterschätzt werden. Eine Eiche ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Auf kleinen Grundstücken können Feldahorn oder Grosssträucher die praktischere Alternative sein.
Kornelkirsche: Frühe Blüten für Insekten und Früchte im Spätsommer
Die Kornelkirsche, Cornus mas, gehört zu den vielseitigen Gehölzen für sonnige und warme Lagen. Sie toleriert Trockenheit relativ gut und bevorzugt häufig kalkhaltige Böden.
Ihr Blütenangebot beginnt sehr früh. Die kleinen gelben Blüten können sich bereits gegen Ende des Winters beziehungsweise zu Beginn des Frühjahrs öffnen. Zu diesem Zeitpunkt ist das Nahrungsangebot für Insekten noch deutlich kleiner als einige Wochen später.
Im Sommer und Frühherbst entwickeln sich rote Früchte. Diese werden von verschiedenen Tieren genutzt und sind in vollreifem Zustand auch für Menschen essbar.
Die Kornelkirsche kann mehrere Meter hoch werden. Frei wachsend entwickelt sie sich zu einem kräftigen Grossstrauch und eignet sich damit gut für gemischte Hecken und grössere Grundstücksränder.
Weissdorn: Ein Strauch für Insekten, Früchte und geschützte Nester
Der Eingriffelige Weissdorn, Crataegus monogyna, verbindet zahlreiche Funktionen. Er verträgt sonnige Lagen und zeitweise Trockenheit und kann sowohl frei wachsen als auch Bestandteil einer Naturhecke sein.
Im Frühjahr erscheinen zahlreiche weisse Blüten. Blätter, Blüten und Holz werden von unterschiedlichen Insekten genutzt. Im Herbst folgen rote Früchte, die mehreren Vogelarten als Nahrung dienen können.
Besonders wertvoll ist das dichte, dornige Zweigwerk. Kleine Vögel finden darin geschützte Bereiche zum Ruhen und Brüten. Gerade bei Naturhecken ist diese räumliche Struktur mindestens so wichtig wie der reine Fruchtertrag.
Ein regelmässig streng auf eine geometrische Form geschnittener Weissdorn bietet entsprechend andere Bedingungen als ein locker wachsender Strauch mit unterschiedlich alten Zweigen.
Schlehe: Dornige Naturhecke mit frühem Blütenangebot
Die Schlehe oder der Schwarzdorn, Prunus spinosa, gehört zu den klassischen Sträuchern an sonnigen Hecken und Waldrändern. Sie verträgt Wärme und zeitweise Trockenheit gut, sofern der Boden zum Standort passt.
Die weissen Blüten öffnen sich früh im Jahr und häufig vor dem vollständigen Laubaustrieb. Später entsteht ein dichtes, stark verzweigtes und dorniges Gebüsch, das Vögeln gute Deckung bieten kann.
Im Spätsommer und Herbst reifen die blau bereiften Schlehen. Sie erweitern das spätere Fruchtangebot einer gemischten Hecke.
Für sehr kleine Gärten besitzt die Art allerdings einen Nachteil: Sie kann kräftige Wurzelausläufer entwickeln. In einer grösseren Wildhecke ist genau diese Fähigkeit dagegen hilfreich, weil dadurch dichte Strukturen entstehen.
Wolliger Schneeball: Gehölz für warme und kalkreiche Standorte
Der Wollige Schneeball, Viburnum lantana, gehört zu den Sträuchern trockenwarmer, häufig kalkreicher Standorte. Er verträgt Sonne und Wärme und kann mehrere Meter hoch werden.
Im Frühjahr trägt die Pflanze helle Blütenstände. Anschliessend entstehen Früchte, die während der Reife ihre Farbe verändern. An einem Zweig können deshalb gleichzeitig rötliche und bereits dunkle Früchte sichtbar sein.
Als Bestandteil einer lockeren Hecke lässt sich der Wollige Schneeball beispielsweise mit Kornelkirsche, Weissdorn, Schlehe und Wildrosen verbinden. Dadurch entstehen unterschiedliche Blütezeiten, Fruchtangebote und Wuchsformen.
Gerade eine solche Mischung erhöht die Widerstandsfähigkeit einer Pflanzung. Werden mehrere Arten kombiniert, hängt die gesamte Hecke weniger stark von der Reaktion einer einzelnen Pflanzenart auf Trockenheit, Krankheit oder ein extremes Wetterjahr ab.
Wildrosen und Berberitze schaffen Nahrung und geschützte Bereiche
Heimische Wildrosen wie die Hundsrose, Rosa canina, kommen auf sonnigen und eher trockenen Standorten gut zurecht. Ihre einfachen Blüten sind für Insekten gut zugänglich. Später entwickeln sich Hagebutten, die teilweise bis in den Winter an den Zweigen bleiben.
Die stacheligen Triebe schaffen gleichzeitig geschützte Bereiche innerhalb einer Hecke. Für Vögel kann diese Deckung ebenso wichtig sein wie das Fruchtangebot.
Auch die Gemeine Berberitze, Berberis vulgaris, eignet sich für sonnige bis halbschattige und eher trockene Standorte. Im Frühjahr erscheinen gelbe Blüten, später rote Früchte.
Bei Berberitzen lohnt eine genaue botanische Auswahl. Der Gartenhandel bietet zahlreiche exotische Arten und Sorten an. Für eine naturnahe Pflanzung besitzt die heimische Gemeine Berberitze einen anderen Stellenwert als beliebige Zierberberitzen.
Gemischte Hecken sind ökologisch stärker als eine einzelne Art
Eine naturnahe Hecke kann über viele Monate unterschiedliche Nahrung anbieten. Kornelkirsche startet sehr früh. Schlehe und Weissdorn folgen im Frühjahr. Wildrosen und weitere Arten erweitern die Blütezeiten, bevor im Sommer und Herbst unterschiedliche Früchte reifen.
Zusätzlich unterscheiden sich die Pflanzen in Höhe, Dichte und Verzweigung. Dadurch entstehen kleine Räume mit verschiedenen Licht-, Temperatur- und Schutzverhältnissen.
Der belmedia-Beitrag über einheimische Sträucher statt problematischer Neophyten zeigt anhand einer Schweizer Pflanzaktion, weshalb heimische Gehölze für Insekten- und Vogelwelt eine wertvolle Alternative zu ökologisch problematischen Gartenpflanzen sein können.
Eine vielfältige Hecke besitzt allerdings nur dann einen hohen Wert, wenn sie entsprechend gepflegt wird. Werden sämtliche Gehölze jedes Jahr gleichzeitig stark zurückgeschnitten, gehen viele Blüten, Früchte und Niststrukturen verloren.
Nicht jede tierfreundliche Pflanze gehört auf einen trockenen Südhang
Naturnah bedeutet zugleich standortgerecht. Ein Gehölz kann für Tiere ausserordentlich wertvoll sein und trotzdem für einen trockenen, heissen Garten ungeeignet sein.
Salweiden, Faulbaum oder andere Arten frischerer Standorte sollten deshalb nicht allein aufgrund ihres ökologischen Werts in einen dauerhaft austrocknenden Boden gesetzt werden.
Umgekehrt muss ein Garten mit guter Wasserversorgung nicht vollständig mit Trockenheitskünstlern bepflanzt werden. Unterschiedliche Bereiche eines Grundstücks können sehr verschiedene Bedingungen besitzen.
Unter einem grossen Baum bleibt der Boden beispielsweise länger beschattet. In einer Senke kann Feuchtigkeit besser verfügbar sein als an einer südexponierten Hauswand. Eine standortgerechte Pflanzung nutzt solche Unterschiede, statt den gesamten Garten mit denselben Arten auszustatten.
Süd- und südosteuropäische Bäume können punktuell ergänzen
Für besonders heisse Stadt- und Gartenstandorte untersuchen Fachleute auch Arten aus wärmeren Teilen Europas und angrenzenden Regionen. Nicht heimische Baumarten können dort eine Ergänzung sein, wenn sie Winter- und Spätfröste vertragen und kein problematisches Ausbreitungspotenzial besitzen.
Eine vollständige Ersetzung heimischer Gehölze ist daraus jedoch nicht abzuleiten. Gerade für Insekten und andere spezialisierte Tierarten können gewachsene Beziehungen zu heimischen Pflanzen entscheidend sein.
Eine mögliche Strategie besteht deshalb aus Vielfalt: robuste heimische Arten bilden die Grundlage, während sorgfältig ausgewählte andere Gehölze schwierige Spezialstandorte ergänzen können.
Problematisch sind dagegen invasive Pflanzen. Gute Trockenheitsverträglichkeit ist kein Vorteil, wenn sich eine Art unkontrolliert ausbreitet und natürliche Lebensräume beeinträchtigt. Bei ungewöhnlichen gebietsfremden Gehölzen sollten deshalb die jeweils aktuellen Schweizer Vorgaben berücksichtigt werden.
Junge Klimabäume brauchen trotz Trockenheitstoleranz Wasser
Trockenheitsverträglich bedeutet nicht, dass ein frisch gepflanzter Baum ohne zusätzliche Wasserversorgung auskommt. Nach dem Pflanzen steht zunächst nur ein begrenztes Wurzelsystem zur Verfügung. Erst mit den Jahren erschliesst das Gehölz grössere Bodenbereiche.
Während längerer Trockenperioden müssen Neupflanzungen deshalb kontrolliert und bei Bedarf gründlich gewässert werden. Entscheidend ist die Feuchtigkeit im Bereich des Wurzelballens und nicht allein die Farbe der Bodenoberfläche.
Langsame, durchdringende Wassergaben sind sinnvoller als häufiges kurzes Bespritzen. Der belmedia-Ratgeber über richtiges Giessen bei Hitze und Trockenheit erklärt, weshalb gerade frisch gepflanzte Bäume und Sträucher Wasser tief im Wurzelbereich benötigen.
Mulch kann zusätzlich helfen, die Verdunstung aus dem Boden zu reduzieren. Direkt am Stamm sollte allerdings kein dauerhaft feuchter dichter Materialhaufen entstehen.
Bestehende alte Bäume sind durch Neupflanzungen kaum kurzfristig ersetzbar
Bei der Diskussion über neue „Zukunftsbäume“ gerät der Wert vorhandener Altbäume leicht aus dem Blick. Eine grosse Krone spendet wesentlich mehr Schatten als ein frisch gepflanzter Jungbaum und beeinflusst das Mikroklima eines Gartens entsprechend stärker.
Mit zunehmendem Alter wächst zugleich die strukturelle Vielfalt. Borkenspalten, Astgabeln, Höhlungen und abgestorbene Holzbereiche können zusätzliche Lebensräume schaffen.
Ein vitaler alter Baum sollte deshalb nicht vorsorglich ersetzt werden, nur weil eine andere Art als besonders klimafest beworben wird. Erhalten und durch neue Arten ergänzen ist häufig die sinnvollere Strategie.
Wo neu gepflanzt wird, zählt dagegen der langfristige Blick. Ein Baum, der heute problemlos neben eine Terrasse passt, kann dort in 20 oder 30 Jahren zu gross sein. Endhöhe, Kronenbreite, Wurzelraum und Abstand zu Gebäuden sollten bereits bei der Auswahl berücksichtigt werden.
Welche klimafitten Bäume und Sträucher für welchen Standort passen
Die folgende Übersicht zeigt typische Einsatzmöglichkeiten. Sie ersetzt keine Prüfung des konkreten Bodens und Kleinklimas.
| Gehölz | Geeigneter Standort | Wert für Tiere |
|---|---|---|
| Feldahorn | warm, sonnig bis halbschattig, eher trocken | Blüten, Blätter, Samen und Kronenstruktur |
| Elsbeere | warm, eher trocken, häufig basenreich | Blüten, Früchte und Baumstruktur |
| Speierling | sonnig, warm, ausreichend tiefgründig | Blüten und Früchte |
| Traubeneiche | sonnig, mässig trocken, viel Platz | Blätter, Eicheln und langfristig vielfältige Habitatstrukturen |
| Flaumeiche | sehr warm, trocken, häufig kalkreich | Blätter, Eicheln, Borke und später Totholzstrukturen |
| Kornelkirsche | sonnig bis halbschattig, warm | frühe Blüten, Früchte und Deckung |
| Weissdorn | sonnig bis halbschattig, eher trocken | zahlreiche Insekten, Früchte und geschützte Nistbereiche |
| Schlehe | sonnig, warm, trocken bis frisch | frühe Blüten, Raupenfutter, Früchte und dornige Deckung |
| Wolliger Schneeball | warm, sonnig, häufig kalkreich | Blüten, Früchte und dichte Zweigstruktur |
| Gemeine Berberitze | sonnig bis halbschattig, eher trocken | Blüten, Früchte und dorniger Schutz |
| Hundsrose | sonnig, trocken bis mässig frisch | offene Blüten, Hagebutten und geschützte Bereiche |
Das deutschsprachige Video „Garten im Klimawandel – Diese Pflanzen trotzen der Hitze“ von SWR Landesschau Rheinland-Pfalz zeigt, wie Trockenheit die Pflanzenwahl in Gärten verändert. Der Beitrag ergänzt die Gehölzauswahl um praktische Beispiele für den Umgang mit heissen und trockenen Sommern.
Artenvielfalt macht Gärten widerstandsfähiger und wertvoller
Den einen perfekten Baum für die kommenden Jahrzehnte gibt es nicht. Böden, Niederschläge, Höhenlage und Mikroklima unterscheiden sich in Mitteleuropa zu stark. Hinzu kommen Krankheiten, Schädlinge und Wetterextreme, deren Kombination langfristig nur begrenzt vorhersehbar ist.
Eine vielfältige Pflanzung verteilt diese Risiken. Auf einem warmen Grundstück können beispielsweise Feldahorn oder Elsbeere die Baumschicht bilden. Kornelkirsche, Weissdorn, Wolliger Schneeball, Schlehe, Berberitze und Wildrosen ergänzen sie zu einer abwechslungsreichen Strauchschicht. Frischere Gartenbereiche können wiederum anderen heimischen Arten vorbehalten bleiben.
Für Tiere entsteht dadurch über viele Monate ein wechselndes Angebot: frühe Blüten, Blätter für Raupen, Früchte und Samen, dichte Zweige und mit zunehmendem Alter immer mehr Baumstrukturen.
Klimaanpassung und Artenvielfalt sind deshalb keine Gegensätze. Besonders zukunftsfähig ist ein Garten, wenn robuste, standortgerechte Gehölze genügend Platz für ihre Wurzeln erhalten und gleichzeitig möglichst viele Funktionen für die heimische Tierwelt übernehmen.‘
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