Lukembila schiesst Sion in Unterzahl in der 94. Minute zum 3:2 gegen Thun

Der FC Sion gewinnt einen dramatischen Super-League-Krimi gegen den FC Thun mit 3:2. Die Walliser spielen nach einer Gelb-Roten Karte gegen Fodé Sylla ab der 41. Minute in Unterzahl, gehen dennoch in Führung und schlagen nach dem zwischenzeitlichen 2:2 in der 94. Minute nochmals zu. Joker Josias Lukembila entscheidet die Partie mit praktisch der letzten Aktion.

Thun erwischt im Tourbillon den besseren Start und geht durch Jan Bamert früh in Führung. Noé Sow gleicht für Sion aus, ehe Sylla noch vor der Pause mit Gelb-Rot vom Platz muss und die Ausgangslage für die Gastgeber deutlich schwieriger wird.

Doch ausgerechnet in Unterzahl dreht Sion die Partie. Donat Rrudhani verwandelt kurz nach der Pause einen Penalty zum 2:1, Fabio Fehr gleicht für Thun später aus. Als vieles auf eine Punkteteilung hindeutet, schlägt Lukembila in der vierten Minute der Nachspielzeit zu.

Für die Walliser ist es bereits der zweite wichtige Sieg innerhalb weniger Tage. Sion klettert mit zwölf Punkten auf Rang drei, während Thun trotz langer Überzahl mit sieben Zählern im Tabellenmittelfeld hängen bleibt.

Bamert bringt Thun früh in Führung

Die Partie beginnt aus Sicht des FC Thun nahezu perfekt. Bereits in der 10. Minute bringt Jan Bamert die Berner Oberländer mit 1:0 in Führung. Fabio Fehr bereitet den Treffer vor, Bamert vollendet mit rechts und sorgt damit früh für eine schwierige Aufgabe für die Gastgeber.

Sion lässt sich vom Rückstand jedoch nicht aus dem Konzept bringen. Die Walliser suchen schnell die Antwort und erhöhen den Druck auf die Thuner Defensive. Nur elf Minuten nach dem Führungstreffer ist die Partie wieder ausgeglichen.

Donat Rrudhani findet Noé Sow, der in der 21. Minute zum 1:1 trifft. Damit ist die Begegnung wieder völlig offen und entwickelt sich zunehmend zu einem intensiven Duell.

Sylla sieht bereits in der 41. Minute Gelb-Rot

Kurz vor der Pause folgt der erste grosse Wendepunkt. Fodé Sylla war bereits in der 16. Minute verwarnt worden und sieht in der 41. Minute die zweite Gelbe Karte. Für Sion bedeutet dies: mehr als eine Halbzeit mit nur zehn Spielern.

Thun geht damit mit einem personellen Vorteil in die Pause. Die Ausgangslage scheint klar zugunsten des amtierenden Schweizer Meisters zu sprechen, doch Sion präsentiert sich nach dem Seitenwechsel alles andere als geschockt.

Die Mannschaft aus dem Wallis verteidigt kompakt und bleibt gleichzeitig mutig im Spiel nach vorne. Statt sich tief zurückzuziehen und nur auf das Remis zu hoffen, sucht Sion weiterhin die Möglichkeit zur Führung.

Rrudhani dreht die Partie vom Penaltypunkt

Diese Gelegenheit bietet sich bereits wenige Minuten nach Wiederbeginn. Sion erhält einen Penalty und Donat Rrudhani übernimmt in der 53. Minute die Verantwortung.

Der Mittelfeldspieler bleibt ruhig und verwandelt zum 2:1. Damit dreht Sion die Partie trotz Unterzahl und zwingt Thun nun dazu, seinen personellen Vorteil auch offensiv in Chancen umzusetzen.

Für Rrudhani ist es ein besonders wichtiger Auftritt. Bereits beim 1:1 durch Sow hatte er die Vorarbeit geliefert, mit dem Penalty sorgt er nun selbst für die Führung. Sion schafft es in dieser Phase, die Unterzahl mit grossem Einsatz und einer kompakten Organisation weitgehend zu kaschieren.

Thun reagiert mit mehreren personellen Veränderungen. Unter anderem kommen zur Pause Justin Roth, Tom Strannegård und Nico Maier ins Spiel, später folgt auch Nassim Zoukit.

Fehr bringt Thun zurück

Mit zunehmender Spielzeit erhöht Thun den Druck. Die Berner Oberländer haben einen Mann mehr auf dem Platz und finden in der 71. Minute schliesslich die Lücke in der Walliser Defensive.

Furkan Dursun bereitet vor, Fabio Fehr trifft mit rechts zum 2:2. Damit ist die Partie ein zweites Mal ausgeglichen und die Vorteile scheinen nun wieder klar bei den Gästen zu liegen.

Sion muss in der Schlussphase viel Defensivarbeit verrichten. Gleichzeitig bleibt die Mannschaft bei ihren Gegenstössen gefährlich und versucht, die sich bietenden Räume konsequent zu nutzen.

Trainer Didier Tholot hat kurz vor dem Thuner Ausgleich gleich dreifach gewechselt. Rilind Nivokazi, Ilyas Chouaref und Josias Lukembila kommen in der 67. Minute neu in die Partie. Einer dieser Wechsel sollte sich später als entscheidend erweisen.

Lukembila wird in der 94. Minute zum Matchwinner

Die reguläre Spielzeit läuft ab, vier Minuten Nachspielzeit werden angezeigt. Thun sucht weiterhin den Siegtreffer, doch auch Sion gibt sich mit dem Punkt nicht zufrieden.

In der 90.+4 Minute folgt die Entscheidung. Josias Lukembila kommt zum Abschluss und trifft mit links zum 3:2. Der Jubel im Tourbillon kennt keine Grenzen, während die Thuner kaum noch Zeit für eine Antwort erhalten.

Nur wenig später ist Schluss. Sion gewinnt eine Partie, die nach der Gelb-Roten Karte gegen Sylla eigentlich klar in Richtung Thun zu kippen drohte.

Dass der Siegtreffer ausgerechnet durch einen Joker fällt, passt zum dramatischen Verlauf. Lukembila steht erst seit der 67. Minute auf dem Platz und entscheidet die Begegnung mit seinem Treffer in der letzten Minute der angekündigten Nachspielzeit.

Thun kann lange Überzahl nicht nutzen

Für den FC Thun ist die Niederlage besonders bitter. Die Gäste führen früh, spielen ab der 41. Minute mit einem Mann mehr und gleichen nach dem zwischenzeitlichen Rückstand auch noch zum 2:2 aus. Trotzdem reisen sie ohne Punkt aus dem Wallis ab.

Der entscheidende Vorwurf liegt auf der Hand: Thun gelingt es nicht, die lange Überzahl konsequent auszuspielen. Sion bleibt selbst mit zehn Spielern gefährlich und nutzt seine Möglichkeiten wesentlich effizienter.

Für den amtierenden Meister setzt sich damit ein wechselhafter Saisonstart fort. Nach dem spektakulären 4:3-Auswärtssieg beim FC St. Gallen und dem anschliessenden 0:0 gegen Lausanne-Sport folgt nun wieder ein Rückschlag.

Nach sechs Meisterschaftsspielen steht Thun bei sieben Punkten. Der Titelverteidiger muss damit früh in der Saison den Anschluss an die Spitzengruppe im Auge behalten.

Sion legt nach dem Coup in Basel nach

Ganz anders ist die Stimmung beim FC Sion. Erst am Donnerstag hatten die Walliser beim FC Basel einen Rückstand gedreht und mit 2:1 gewonnen. Nur drei Tage später gelingt nun der nächste Sieg mit besonderer Dramaturgie.

Sion hatte zuvor zuhause knapp mit 1:2 gegen Lugano verloren. Mit den Erfolgen gegen Basel und Thun reagiert die Mannschaft von Didier Tholot jedoch eindrucksvoll und sammelt innerhalb weniger Tage sechs wichtige Punkte.

Nach sechs absolvierten Partien stehen die Walliser nun bei zwölf Zählern. Damit rückt Sion auf Rang drei der Super League vor und liegt hinter dem makellosen Leader Lugano und den Young Boys.

Besonders wertvoll ist nicht nur die Punkteausbeute, sondern auch die Art der beiden jüngsten Erfolge. In Basel drehte Sion einen Rückstand, gegen Thun gewinnt die Mannschaft nun trotz mehr als 50 Minuten in Unterzahl.

Für Sion geht es in St. Gallen weiter

Bereits am kommenden Samstag, 12. September, wartet die nächste Aufgabe. Sion reist zum FC St. Gallen und erhält damit die Chance, seine starke Serie fortzusetzen.

Thun empfängt am selben Abend die Grasshoppers. Nach der bitteren Niederlage im Tourbillon steht die Mannschaft dort unter Zugzwang, wenn sie den Kontakt zur oberen Tabellenhälfte nicht verlieren will.

Der Sonntag gehört jedoch dem FC Sion. Die Walliser stecken einen frühen Rückstand und einen Platzverweis weg, führen in Unterzahl, kassieren den Ausgleich und haben trotzdem noch die Energie für den entscheidenden Angriff.

Lukembilas Treffer in der 94. Minute macht aus einem ohnehin turbulenten Spiel einen echten Super-League-Krimi – und beschert Sion drei Punkte, die nach dem Verlauf der Partie kaum spektakulärer hätten zustande kommen können.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert