Dieser einfache Fahr-Trick hält den Automotor länger fit
von belmedia Redaktion Allgemein Auto Magazine Mobilität motor.ch motortipps.ch nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit Technik Themen Tipps Ⳇ Verbreitung
Wer seinem Verbrennungsmotor etwas Gutes tun will, braucht weder teure Zusätze noch komplizierte Pflegeprogramme. Einer der wirksamsten Tricks ist erstaunlich einfach: Das Auto regelmässig lange genug fahren, damit Motor und Motoröl vollständig auf Betriebstemperatur kommen. Besonders bei Fahrzeugen, die häufig nur auf Kurzstrecken bewegt werden, kann das helfen, Verschleiss und Ablagerungen zu reduzieren.
Viele Autofahrer starten morgens, fahren wenige Kilometer zur Arbeit oder zum Einkaufen und stellen das Auto kurz darauf wieder ab. Für den Motor bedeutet das jedoch, dass er einen grossen Teil seines Lebens in der Kaltlaufphase verbringt. Gerade dann ist der Verschleiss vergleichsweise hoch, weil das Motoröl seine optimale Arbeitstemperatur noch nicht erreicht hat.
Wer überwiegend Kurzstrecke fährt, sollte deshalb gelegentlich eine längere, ruhige Fahrt einplanen. Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, den Motor hochzudrehen oder auf der Autobahn auszureizen. Entscheidend ist vielmehr, dass Motor, Öl und Abgasanlage genügend Zeit bekommen, ihre normale Betriebstemperatur zu erreichen.
Warum Kurzstrecken dem Motor zusetzen
Beim Kaltstart benötigt ein Verbrennungsmotor mehr Kraftstoff, und das Motoröl ist noch deutlich zähflüssiger als im warmen Zustand. Erst mit zunehmender Temperatur verteilt sich das Öl unter den vorgesehenen Betriebsbedingungen im Motor.
Der ADAC weist darauf hin, dass gerade bei häufigen Kurzstrecken unverbrannter Kraftstoff ins Motoröl gelangen kann. Dadurch wird das Öl verdünnt und seine Schmierfähigkeit kann abnehmen. Bei Dieselfahrzeugen mit Partikelfilter kommt hinzu, dass die für die Filterregeneration benötigte Temperatur bei sehr kurzen Fahrten unter Umständen nicht erreicht wird.
Auch Kondenswasser ist ein Thema. Motor und Abgasanlage erwärmen sich beim Start, kühlen nach einer kurzen Fahrt aber rasch wieder ab. Wiederholt sich dieser Ablauf ständig, kann Feuchtigkeit länger im System verbleiben.
Der einfache Trick: regelmässig richtig warmfahren
Wer sein Auto hauptsächlich für kurze Wege nutzt, kann deshalb gelegentlich eine längere Fahrt einplanen. Eine starre Kilometerzahl gibt es dafür nicht, denn Motor, Aussentemperatur, Fahrprofil und Fahrzeugtyp unterscheiden sich.
Als Grundregel gilt: Nicht direkt nach dem Start stark beschleunigen oder hohe Drehzahlen verlangen. Stattdessen zunächst moderat fahren und dem Motor Zeit geben, sich gleichmässig zu erwärmen.
Eine Fahrt über Land oder eine längere Autobahnetappe eignet sich dafür meist besser als zehn Minuten Stop-and-go-Verkehr. Wichtig ist nicht die Geschwindigkeit, sondern die Zeit, in der das gesamte System auf Temperatur kommt.
Auch bei eingelagerten oder wenig bewegten Fahrzeugen gilt: Den Motor lediglich einige Minuten im Stand laufen zu lassen, ist keine gute Alternative. Auch bei der richtigen Einlagerung von Oldtimern spielt eine vollständige Erwärmung von Motor und Betriebsstoffen eine wichtige Rolle.
Warmlaufen im Stand bringt wenig
Ein verbreiteter Irrtum lautet, man könne den Motor vor der Fahrt einige Minuten im Stand laufen lassen und ihm damit etwas Gutes tun. Tatsächlich erwärmt sich das Motoröl dabei nur sehr langsam.
Der ADAC hat darauf hingewiesen, dass sich die Warmlaufphase dadurch verlängert. Der Motor bleibt länger in jenem Betriebszustand, in dem Reibung und Verschleiss erhöht sind. Sinnvoller ist es, nach dem Start loszufahren und den Motor unter leichter bis mittlerer Last behutsam warmzufahren.
Das bedeutet auch: Hohe Drehzahlen unmittelbar nach dem Start sollten vermieden werden. Erst wenn Motor und Öl vollständig warm sind, kann das Aggregat stärker belastet werden.
Der Ölstand bleibt trotzdem entscheidend
Eine längere Fahrt ersetzt allerdings keine Wartung. Motoröl altert, nimmt Verbrennungsrückstände auf und verliert mit der Zeit Eigenschaften. Deshalb müssen die vom Hersteller vorgesehenen Ölwechselintervalle eingehalten werden.
Der Touring Club Schweiz empfiehlt zudem, ausschliesslich Motoröle zu verwenden, die vom Fahrzeughersteller freigegeben sind. Auch der Ölstand sollte regelmässig kontrolliert werden.
Zu wenig Öl kann ebenso Schäden verursachen wie deutlich zu viel Öl. Vor allem Fahrzeuge, die häufig im Stadt- und Kurzstreckenverkehr unterwegs sind, verdienen hier besondere Aufmerksamkeit.
Schonende Fahrweise statt «Freifahren»
Das gelegentliche Warmfahren wird manchmal als «Motor freibrennen» bezeichnet. Das kann missverständlich sein. Ein Motor muss dafür nicht mit Vollgas oder dauerhaft hoher Drehzahl gefahren werden.
Bei einem gesunden Benzin- oder Dieselmotor reicht eine normale längere Fahrt, bei der alle Systeme ihre vorgesehene Betriebstemperatur erreichen. Bei Problemen mit Partikelfilter, Warnleuchten, erhöhtem Ölstand oder ungewöhnlichen Motorgeräuschen sollte nicht versucht werden, das Problem mit einer schnellen Autobahnfahrt zu lösen. Dann gehört das Fahrzeug in eine Fachwerkstatt.
- Nach dem Kaltstart direkt losfahren, aber zunächst mit moderater Drehzahl.
- Bei viel Kurzstreckenbetrieb regelmässig eine längere Fahrt einplanen.
- Den Motor nicht minutenlang im Stand warmlaufen lassen.
- Ölstand und Ölwechselintervalle gemäss Herstellervorgaben kontrollieren.
- Warnleuchten oder ungewöhnliche Geräusche nicht durch «Freifahren» ignorieren.
Ein kleiner Gewohnheitswechsel kann viel bewirken
Der beste Motorpflegetipp kostet damit praktisch nichts: Wer häufig nur kurze Strecken fährt, sollte dem Auto gelegentlich genügend Zeit geben, vollständig warm zu werden.
Das schützt nicht vor jedem Defekt und ersetzt keine Wartung. Für einen Verbrennungsmotor ist eine vernünftige längere Fahrt aber deutlich gesünder als eine endlose Folge aus Kaltstart, fünf Kilometern Fahrt und erneutem Abstellen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert