Spitalkeime verstehen: Wie Übertragung geschieht und wer besonders gefährdet ist
von belmedia Redaktion hospital.ch Krankheiten Medizin nachrichtenticker.ch News Pflege Prävention Sicherheit sicherheit.ch Spitalaufenthalt Spitäler Vital xund24.ch
Spitalkeime sind keine besondere Gruppe von Mikroorganismen, sondern Bakterien, Viren, Pilze oder andere Erreger, die während einer medizinischen Behandlung übertragen werden oder eine Infektion auslösen können. Das Risiko entsteht durch das Zusammentreffen erkrankter Menschen, invasiver Eingriffe, häufiger Kontakte und zahlreicher medizinischer Geräte. Konsequente Hygiene, sorgfältige Arbeitsabläufe und ein gezielter Einsatz von Antibiotika können viele dieser Infektionen verhindern.
Nicht jede im Spital erworbene Infektion geht auf mangelnde Sauberkeit zurück. Manche Erreger stammen aus der körpereigenen Flora und gelangen während einer Operation oder über einen Katheter an eine empfindliche Stelle. Besonders gefährdet sind Menschen mit geschwächtem Immunsystem, schweren Grunderkrankungen, offenen Wunden oder längeren Spitalaufenthalten.
Spitalkeime sind ein Sammelbegriff
Der umgangssprachliche Ausdruck „Spitalkeime“ kann den Eindruck erwecken, bestimmte Mikroorganismen kämen ausschliesslich in medizinischen Einrichtungen vor. Tatsächlich leben viele der beteiligten Bakterien auch auf der Haut, im Darm oder in der Umwelt. Im Spital treffen sie jedoch auf Menschen, deren natürliche Schutzmechanismen durch Krankheit, Verletzung oder Behandlung beeinträchtigt sind.
Fachleute sprechen von healthcare-assoziierten oder nosokomialen Infektionen. Gemeint sind Infektionen, die im Zusammenhang mit einer medizinischen Versorgung entstehen und bei Beginn der Behandlung noch nicht vorhanden waren. Sie können während des Aufenthalts sichtbar werden, aber auch erst nach dem Austritt auffallen. Der Zeitpunkt allein beweist deshalb noch nicht, wo und wie eine Infektion erworben wurde.
Bakterien spielen eine wichtige Rolle, doch auch Viren und Pilze können im Spital übertragen werden. Einige Erreger sind gegen ein oder mehrere Medikamente resistent. Resistenz macht einen Keim nicht automatisch ansteckender, kann die Behandlung einer daraus entstandenen Infektion jedoch deutlich erschweren.
Wie häufig healthcare-assoziierte Infektionen vorkommen
Bei einer schweizweiten Punktprävalenzerhebung im Jahr 2024 wurden 12’414 Patientinnen und Patienten in 103 Spitälern untersucht. Am Erhebungstag hatten 5,7 Prozent der erfassten Personen mindestens eine healthcare-assoziierte Infektion. Eine solche Momentaufnahme zeigt die Situation an einem bestimmten Tag und ist nicht mit dem persönlichen Risiko eines einzelnen Spitalaufenthalts gleichzusetzen.
Am häufigsten waren Infektionen im Operationsgebiet. Sie machten knapp ein Drittel der erfassten Fälle aus. Danach folgten Infektionen der unteren Atemwege, der Harnwege und des Blutkreislaufs. Diese Verteilung verdeutlicht, weshalb die Prävention an verschiedenen Stellen ansetzen muss: bei Operationen, Beatmung, Kathetern, Wundversorgung und alltäglichen Kontakten.
Die Erhebungen helfen Spitälern, ihre Schutzmassnahmen zu überprüfen und miteinander vergleichbare Entwicklungen zu erkennen. Einzelne Zahlen dürfen dennoch nicht vorschnell als Rangliste gelesen werden. Universitätsspitäler und spezialisierte Zentren behandeln häufig besonders schwer erkrankte Menschen und übernehmen komplexe Eingriffe, die mit höheren Grundrisiken verbunden sein können.
Übertragung erfolgt auf unterschiedlichen Wegen
Die Hände sind ein besonders wichtiger Übertragungsweg. Beim Kontakt mit einem Patienten, einem Verband, einem Bett oder einem medizinischen Gerät können Mikroorganismen aufgenommen und weitergetragen werden. Eine korrekt ausgeführte Händedesinfektion unterbricht diese Kette, sofern sie zum richtigen Zeitpunkt und mit der notwendigen Sorgfalt erfolgt.
Auch Oberflächen und gemeinsam verwendete Geräte können eine Rolle spielen. Blutdruckmanschetten, Stethoskope, Infusionsständer, Bettgitter oder Türklinken werden deshalb nach festgelegten Verfahren gereinigt beziehungsweise desinfiziert. Wie lange ein Erreger auf einer Oberfläche infektiös bleibt, hängt von seiner Art, dem Material und den Umgebungsbedingungen ab.
Bestimmte Krankheitserreger verbreiten sich über Tröpfchen oder feinere Partikel in der Luft. Andere werden über Körperflüssigkeiten oder verunreinigte Gegenstände übertragen. Schutzmaske, Handschuhe, Schutzkleidung und räumliche Trennung werden daher nicht pauschal, sondern passend zum vermuteten oder nachgewiesenen Erreger eingesetzt.
Eine weitere Infektionsquelle ist die körpereigene Flora. Haut- oder Darmbakterien können über einen Operationsschnitt, einen Harnwegskatheter oder einen Gefässzugang in Bereiche gelangen, die normalerweise keimarm sind. In diesem Fall wurde der Erreger nicht zwingend von einer anderen Person übertragen, obwohl die Infektion im Zusammenhang mit der Behandlung entstanden ist.
Besiedlung ist nicht dasselbe wie Infektion
Ein Mensch kann einen bestimmten Mikroorganismus auf der Haut oder Schleimhaut tragen, ohne Beschwerden zu haben. Fachlich wird dies als Kolonisation oder Besiedlung bezeichnet. Erst wenn der Erreger in Gewebe eindringt, sich dort vermehrt und eine Reaktion des Körpers auslöst, liegt eine Infektion vor.
Diese Unterscheidung ist bei multiresistenten Bakterien besonders wichtig. Ein positiver Nachweis bedeutet nicht automatisch, dass eine antibiotische Behandlung erforderlich ist. Eine unnötige Therapie kann Nebenwirkungen verursachen und die weitere Resistenzentwicklung begünstigen. Ob behandelt oder lediglich mit besonderen Hygienemassnahmen gearbeitet wird, entscheidet das medizinische Team anhand der individuellen Situation.
Screenings werden deshalb gezielt eingesetzt, beispielsweise vor bestimmten Eingriffen, nach früheren Nachweisen oder bei erhöhtem Übertragungsrisiko. Das Ergebnis beeinflusst unter Umständen die Zimmerwahl, die Schutzkleidung oder die Vorbereitung einer Operation. Eine Besiedlung ist kein persönliches Versagen und darf nicht zur Stigmatisierung führen.
Medizinische Zugänge können natürliche Barrieren umgehen
Haut und Schleimhäute bilden einen wirksamen Schutz gegen Krankheitserreger. Operationen, Infusionen, Beatmungsschläuche und Katheter durchbrechen oder umgehen diese Barrieren. Je länger ein invasives Hilfsmittel liegt, desto mehr Gelegenheiten entstehen für Mikroorganismen, in den Körper zu gelangen.
Ein Harnwegskatheter kann das Risiko einer Harnwegsinfektion erhöhen, ein zentraler Gefässkatheter das Risiko einer Infektion des Blutkreislaufs. Bei künstlicher Beatmung können Erreger in die unteren Atemwege gelangen. Solche Hilfsmittel sind häufig medizinisch notwendig; entscheidend sind eine klare Indikation, steriles beziehungsweise keimarmes Arbeiten und die frühestmögliche Entfernung.
Auch Operationen verlangen abgestimmte Schutzschritte. Dazu gehören eine geeignete Hautvorbereitung, sterile Instrumente, kontrollierte Abläufe im Operationssaal und eine sorgfältige Wundversorgung. Antibiotika werden bei bestimmten Eingriffen vorbeugend verabreicht, müssen aber zeitlich und fachlich korrekt eingesetzt werden.
Diese Menschen tragen ein erhöhtes Risiko
Besonders gefährdet sind Personen auf Intensivstationen, nach grossen Operationen oder mit einem längeren Spitalaufenthalt. Mehrere Zugänge, Beatmung und häufige Kontakte erhöhen die Zahl möglicher Eintrittsstellen. Gleichzeitig ist der Körper oft bereits durch die ursprüngliche Erkrankung stark beansprucht.
Ein geschwächtes Immunsystem kann durch eine Krebserkrankung, eine Transplantation, bestimmte Medikamente oder angeborene Störungen entstehen. Auch Frühgeborene besitzen noch keine vollständig entwickelte Immunabwehr. Bei älteren und gebrechlichen Menschen können chronische Erkrankungen, Mangelernährung und eine langsamere Wundheilung das Infektionsrisiko erhöhen.
Offene Wunden, Verbrennungen, Diabetes und Durchblutungsstörungen sind weitere Risikofaktoren. Entscheidend ist stets die Kombination der Umstände. Ein hohes Alter allein bedeutet ebenso wenig eine sichere Infektion wie ein einzelner Katheter. Das Behandlungsteam beurteilt das Risiko anhand des gesamten medizinischen Verlaufs.
Händehygiene unterbricht Übertragungsketten
Für das Fachpersonal gelten definierte Situationen, in denen eine Händedesinfektion erforderlich ist: vor einem Patientenkontakt, vor einer keimarmen Tätigkeit, nach möglichem Kontakt mit Körperflüssigkeiten, nach dem Patientenkontakt und nach Berührung der unmittelbaren Patientenumgebung. Handschuhe ersetzen diese Desinfektion nicht. Auch beim Ausziehen können die Hände verunreinigt werden.
Patienten reinigen ihre Hände insbesondere vor dem Essen, nach dem Toilettengang, nach dem Naseputzen und nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten. Je nach Station wird Händewaschen oder Desinfizieren empfohlen. Verbände, Infusionszugänge, Katheter und Drainagen dürfen nicht unnötig berührt oder eigenständig verändert werden.
Auch Besucher tragen zu einem sicheren Umfeld bei. Der Beitrag über rücksichtsvolle und hygienisch sichere Spitalbesuche erläutert die wichtigsten Verhaltensregeln. Personen mit Fieber, ausgeprägtem Husten, Erbrechen, Durchfall oder anderen möglichen Infektionszeichen verschieben den Besuch und beachten die Vorgaben der Station.
Schutzkleidung richtet sich nach dem Übertragungsweg
Handschuhe, Schutzschürzen, Mäntel, medizinische Masken und Atemschutzmasken erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Welche Ausstattung erforderlich ist, hängt vom Erreger, der Tätigkeit und dem erwarteten Kontakt ab. Mehr Schutzkleidung ist nicht automatisch sicherer, wenn sie falsch an- oder ausgezogen wird.
Eine Isolation dient dazu, Übertragungswege gezielt zu unterbrechen. Sie kann zusätzliche Vorgaben für Besucher, Transportwege und medizinische Geräte umfassen. Für Betroffene kann die räumliche Trennung belastend sein, weshalb verständliche Informationen und ein respektvoller Umgang wichtig bleiben.
Die Markierung eines Isolationszimmers sagt nichts über ein persönliches Fehlverhalten aus. Sie informiert das Personal über die notwendigen Vorsichtsmassnahmen. Besucher klären vor dem Betreten, ob eine Maske oder ein Schutzmantel benötigt wird und wo diese nach dem Aufenthalt entsorgt werden müssen.
Das deutschsprachige Breitformat-Video „Sicherheit durch Händehygiene“ von OÖG TV erklärt, weshalb korrekt durchgeführte Händehygiene ein zentraler Bestandteil der Patientensicherheit im Spital ist.
Reinigung und Aufbereitung benötigen feste Standards
Sichtbar saubere Räume sind wichtig, reichen für die Infektionsprävention aber nicht aus. Häufig berührte Flächen, sanitäre Anlagen und patientennahe Gegenstände benötigen definierte Reinigungs- oder Desinfektionsverfahren. Mittel, Konzentration, Einwirkzeit und Materialverträglichkeit müssen aufeinander abgestimmt sein.
Medizinische Instrumente werden abhängig von ihrem Einsatz gereinigt, desinfiziert oder sterilisiert. Ein Instrument, das mit sterilem Gewebe in Kontakt kommt, stellt andere Anforderungen als eine äusserlich verwendete Untersuchungshilfe. Aufbereitungsprozesse werden dokumentiert und regelmässig überprüft.
Dabei ist eine klare Aufgabenverteilung entscheidend. Pflege, Reinigung, Medizintechnik, Sterilgutversorgung und Spitalhygiene bearbeiten unterschiedliche Teile derselben Schutzkette. Unklare Zuständigkeiten können dazu führen, dass ein Gerät zu selten oder mit einem ungeeigneten Verfahren aufbereitet wird.
Antibiotikaresistenzen verlangen einen gezielten Einsatz
Antibiotika wirken gegen Bakterien, nicht gegen Viren. Werden sie unnötig, zu breit oder über einen unangemessenen Zeitraum eingesetzt, entsteht ein Selektionsdruck: Empfindliche Bakterien werden zurückgedrängt, widerstandsfähige Varianten können sich stärker vermehren. Resistenzen entstehen und verbreiten sich allerdings auch ausserhalb von Spitälern.
Bei einer schweren Infektion muss die Behandlung häufig beginnen, bevor das Labor den genauen Erreger bestimmt hat. Sobald Befunde vorliegen, kann das medizinische Team das Antibiotikum anpassen, eingrenzen oder absetzen. Programme für einen verantwortungsvollen Antibiotikaeinsatz verbinden infektiologische Beratung, Mikrobiologie, Pharmazie und die behandelnden Fachbereiche.
Das Universitätsspital Genf hat die internationale Entwicklung der Händehygiene und Infektionsprävention wesentlich mitgeprägt. Ein redaktionelles Porträt über das Universitätsspital Genf und seine medizinische Forschung ordnet diese Arbeit in die Entwicklung des Hauses ein. Dauerhafte Fortschritte entstehen durch Messung, Schulung und verlässliche Abläufe.
Warnzeichen müssen fachlich beurteilt werden
Fieber, Schüttelfrost, zunehmende Schmerzen, Atemnot, Verwirrtheit oder eine deutliche Verschlechterung des Allgemeinzustands können auf eine Infektion hinweisen. Bei einer Wunde sind eine wachsende Rötung, Schwellung, Überwärmung, Flüssigkeitsaustritt oder neu auftretender Geruch mögliche Warnzeichen. Solche Veränderungen werden dem Behandlungsteam zeitnah gemeldet.
Nicht jedes Fieber nach einem Eingriff bedeutet eine bakterielle Infektion. Auch Medikamente, Entzündungsreaktionen oder andere Erkrankungen kommen als Ursache infrage. Umgekehrt können ältere oder immungeschwächte Menschen eine schwere Infektion entwickeln, ohne hohes Fieber zu zeigen. Eine individuelle medizinische Beurteilung bleibt deshalb unverzichtbar.
Nach dem Austritt gelten die erhaltenen Wund-, Medikamenten- und Kontrollanweisungen. Antibiotika werden in der verordneten Dosierung und Dauer eingenommen, sofern das behandelnde Team keine Anpassung vornimmt. Übrig gebliebene Präparate eignen sich weder für eine spätere Selbstbehandlung noch für andere Personen.
Prävention ist eine Aufgabe des gesamten Systems
Spitäler erfassen Infektionen, prüfen auffällige Häufungen und analysieren Arbeitsabläufe. Daten aus Operationen, Intensivstationen oder Katheteranwendungen zeigen, wo Verbesserungen nötig sind. Die Zahlen dienen der Qualitätsentwicklung und müssen zusammen mit Patientengruppen, Eingriffsarten und Behandlungsschwere interpretiert werden.
Schulungen allein genügen nicht. Desinfektionsmittel müssen erreichbar sein, Materialien zuverlässig bereitstehen und Arbeitsabläufe genügend Zeit für korrektes Vorgehen lassen. Eine Sicherheitskultur ermöglicht es Mitarbeitenden, auf ein ausgelassenes Hygieneverfahren aufmerksam zu machen, ohne dass daraus ein persönlicher Konflikt entsteht.
Patienten und Angehörige dürfen bei Unsicherheit nachfragen, ob eine vorgesehene Schutzmassnahme bereits erfolgt ist. Eine sachliche Frage zur Händedesinfektion oder zum Umgang mit einem Katheter unterstützt die gemeinsame Aufmerksamkeit. Die Verantwortung für professionelle Infektionsprävention bleibt jedoch beim Spital und darf nicht auf erkrankte Menschen übertragen werden.
Sichere Versorgung braucht abgestimmte Aufmerksamkeit
Healthcare-assoziierte Infektionen lassen sich nicht vollständig ausschliessen. Ihr Risiko kann jedoch durch Händehygiene, geeignete Schutzkleidung, sorgfältige Reinigung, fachgerechte Eingriffe und einen zurückhaltenden Antibiotikaeinsatz deutlich beeinflusst werden. Besonders wichtig ist, invasive Zugänge nur so lange wie medizinisch notwendig zu verwenden.
Für Patienten und Besucher bleiben die wirksamsten Beiträge überschaubar: Hygieneregeln der Station befolgen, medizinische Zugänge nicht berühren, Krankheitssymptome offen ansprechen und auffällige Veränderungen rasch melden. Spezielle Vorgaben der behandelnden Einrichtung haben stets Vorrang, weil sie an den Erreger, die Station und die individuelle Behandlung angepasst sind.
Ein nüchterner Blick verhindert sowohl Verharmlosung als auch unnötige Angst. Spitalkeime sind ein reales medizinisches Risiko, aber kein unvermeidbares Schicksal. Entscheidend ist eine Präventionskette, in der Fachwissen, Infrastruktur, Aufmerksamkeit und verständliche Kommunikation zuverlässig zusammenspielen.
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