Lawrence gewinnt Crans-Krimi zum dritten Mal – Girrbach starker Neunter
von belmedia Redaktion Europa Golf Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz Schweiz Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Themen Wallis Ⳇ Verbreitung
Thriston Lawrence ist endgültig der König von Crans-Montana. Der Südafrikaner gewinnt das Omega European Masters nach einem dramatischen Stechen gegen Paul Casey und triumphiert nach 2022 und 2025 bereits zum dritten Mal auf dem Severiano-Ballesteros-Platz. Lawrence entscheidet erst das vierte Playoff-Loch mit einem rund sechs Meter langen Birdie-Putt – und Joel Girrbach sorgt mit Rang neun für ein starkes Schweizer Resultat.
Dabei scheint Lawrence vor der Schlussrunde praktisch aus dem Rennen zu sein. Nach einer schwachen 73 am Samstag startet der Titelverteidiger mit sechs Schlägen Rückstand auf Leader Casey in den Sonntag.
Doch Lawrence spielt eine sensationelle bogeyfreie 62er-Runde mit acht Birdies und erreicht insgesamt 262 Schläge beziehungsweise 18 unter Par. Casey kommt mit einer 68 ebenfalls auf 262 und erzwingt damit ein Stechen.
Dort erhält der in der Schweiz lebende Engländer gleich mehrere Möglichkeiten zum Sieg. Lawrence übersteht alle kritischen Momente und schlägt schliesslich bei seiner ersten echten Chance eiskalt zu.
Lawrence startet sechs Schläge hinter Casey
Die Ausgangslage vor der Finalrunde spricht klar für Paul Casey. Der 49-Jährige hatte am Samstag mit einer starken 63 die Führung übernommen und liegt nach 54 Löchern bei 16 unter Par. Lawrence ist nach seiner 73 auf zehn unter Par zurückgefallen und muss einen Rückstand von sechs Schlägen aufholen.
Der Südafrikaner zeigt jedoch vom ersten Loch an, dass er den Titel noch nicht aufgegeben hat. Während Casey auf den ersten neun Löchern mehrfach Federn lässt, spielt Lawrence aggressiv und gleichzeitig fehlerfrei.
Acht Birdies und kein einziges Bogey stehen am Ende auf seiner Scorekarte. Mit 62 Schlägen verbessert sich der 29-Jährige gegenüber dem Samstag um elf Schläge und setzt im Clubhaus bei 18 unter Par die neue Bestmarke.
Casey kämpft sich auf den zweiten neun Löchern zurück
Caseys Finalrunde beginnt deutlich schwieriger. Nach einem Bogey am dritten Loch folgt am sechsten Loch ein Double-Bogey, später muss er auch an der Acht einen Schlag abgeben. Sein komfortabler Vorsprung ist damit innerhalb kurzer Zeit verschwunden.
Der Engländer reagiert jedoch eindrucksvoll. Auf den zweiten neun Löchern gelingen ihm mehrere Birdies, darunter vier innerhalb von fünf Löchern zwischen der 11 und der 15. Bahn. Damit übernimmt Casey vor dem letzten Loch wieder alleine die Führung.
Auf der 18 braucht er ein Par zum Turniersieg. Sein Annäherungsschlag aus dem Rough gerät jedoch zu kurz, springt mit viel Glück über einen Bach und bleibt spielbar liegen. Nach dem Chip bleiben rund drei Meter zum Par – doch der Putt läuft knapp am Loch vorbei.
Das Bogey bedeutet den Rückfall auf 18 unter Par. Lawrence, der seine Runde längst beendet hat, bekommt damit die Chance, seinen Titel im Stechen zu verteidigen.
Casey vergibt im Stechen drei Siegchancen
Das Playoff wird ausschliesslich auf der 18. Bahn ausgetragen. Bereits beim ersten Zusatzloch erhält Casey einen langen Birdie-Putt zum Sieg, verfehlt das Loch aber knapp. Beide Spieler notieren Par und müssen erneut an den Abschlag.
Beim zweiten Durchgang wird die Chance für Casey noch grösser. Aus rund drei Metern könnte der Engländer das Turnier entscheiden, doch auch dieser Putt fällt nicht. Wieder geht es mit Par weiter.
Am dritten Playoff-Loch wiederholt sich das Drama. Casey hat erneut einen Birdie-Putt zum Sieg, diesmal aus noch kürzerer Distanz. Der Ball berührt beinahe die Lochkante, bleibt aber draussen.
Lawrence hält sich mit drei Pars im Rennen. Obwohl Casey mehrfach kurz vor dem Triumph steht, bekommt der Südafrikaner damit noch eine weitere Gelegenheit.
Sechs-Meter-Putt entscheidet den Krimi
Beim vierten Gang über die 18. Bahn kippt das Duell endgültig. Casey kann seinen Ball nicht zum Birdie unterbringen und öffnet Lawrence damit erstmals die Tür zum Sieg.
Der Südafrikaner steht vor einem rund sechs Meter langen Birdie-Putt. Diesmal gibt es keine weitere Verlängerung: Lawrence trifft mitten ins Loch und reisst unmittelbar danach die Arme hoch.
Nach insgesamt vier Playoff-Löchern ist eines der dramatischsten Finals der jüngeren Turniergeschichte entschieden. Casey hatte mehrfach die Möglichkeit, den Titel zu gewinnen – Lawrence benötigte dagegen nur eine einzige echte Siegchance.
Für beide Spieler stehen nach den regulären 72 Löchern 262 Schläge zu Buche. Lawrence gewinnt mit Runden von 64, 63, 73 und 62 Schlägen, Casey spielt 67, 64, 63 und 68.
Dritter Triumph in Crans-Montana
Lawrences Beziehung zu Crans-Montana wird damit immer aussergewöhnlicher. Bereits 2022 gewann er das European Masters erstmals, damals ebenfalls nach einem Stechen. 2025 folgte sein zweiter Triumph, nun verteidigt er den Titel erfolgreich.
Seit das Turnier 1972 Teil der heutigen DP-World-Tour-Struktur ist, war zuvor nur Severiano Ballesteros dreimal in Crans-Montana erfolgreich. Die spanische Golf-Legende gewann 1977, 1978 und 1989.
Lawrence zieht nun mit Ballesteros gleich und schreibt damit ein weiteres Kapitel der langen Geschichte des Turniers. Gleichzeitig ist es der sechste Titel seiner Karriere auf der DP World Tour.
Bemerkenswert ist vor allem der Weg zum Sieg. Nach der schwachen dritten Runde hätte kaum noch jemand mit Lawrence gerechnet, doch die fehlerfreie 62 am Sonntag bringt ihn zurück – und am Ende sogar wieder ganz nach oben.
Casey erlebt emotionales Heimturnier
Für Paul Casey endet die Woche dagegen mit einer bitteren sportlichen Enttäuschung. Der Engländer lebt inzwischen mit seiner Familie im Kanton Zug und hatte das Turnier deshalb als eine Art Heimspiel bezeichnet.
Vor der Finalrunde hatte Casey angekündigt, sein gesamtes Preisgeld an die Fondation Beloved zu spenden. Die Organisation unterstützt Menschen, die von der Brandkatastrophe in Crans-Montana in der Silvesternacht betroffen sind.
Mit Rang zwei erhält diese Geste trotz der knappen Niederlage zusätzliches Gewicht. Sportlich fehlt Casey mehrfach nur wenig zum Sieg, nachdem er am Samstag mit sechs Birdies auf sieben Löchern zeitweise wie der klare Favorit ausgesehen hatte.
Der Triumph bleibt ihm jedoch verwehrt. Lawrence übersteht sämtliche Drucksituationen und nimmt Casey mit seinem langen Birdie-Putt am vierten Zusatzloch die letzte Chance.
Joel Girrbach begeistert mit Rang neun
Auch aus Schweizer Sicht endet das European Masters erfreulich. Joel Girrbach klassiert sich mit 15 unter Par auf dem geteilten neunten Rang und bestätigt damit einmal mehr, wie wohl er sich auf dem Platz in Crans-Montana fühlt.
Der 33-jährige Thurgauer spielt Runden von 70, 63, 67 und 65 Schlägen. Am Sonntag benötigt er nur 65 Schläge und verbessert sich mit fünf unter Par nochmals in die Top 10.
Girrbach war der einzige der acht gestarteten Schweizer, der überhaupt den Cut geschafft hatte. Besonders seine 63 am Freitag hatte ihn weit nach vorne gebracht, nachdem er das Turnier mit einer Par-Runde begonnen hatte.
Bereits im vergangenen Jahr war Girrbach in Crans-Montana Siebter geworden. Der erneute Spitzenplatz ist auch für seine sportliche Zukunft wichtig, weil er damit wertvolle Punkte im Kampf um die Tourkarte für die kommende Saison sammelt.
Candinas hatte zum Auftakt für Aufsehen gesorgt
Die Schweizer Woche hatte bereits am Donnerstag eine interessante Geschichte geliefert. Der erst 21-jährige Amateur Mischa Candinas spielte bei seiner Premiere stark und lag nach der ersten Runde bei einem Schlag unter Par.
Beim Auftakt des European Masters hatte Candinas mit einem Eagle und einer mutigen Runde überzeugt. Für den Cut reichte es dem Zürcher am Ende zwar nicht, dennoch sammelte er wertvolle Erfahrung auf der grossen Bühne.
Girrbach blieb damit der einzige Schweizer im Feld des Wochenendes. Dass er daraus am Ende sogar einen neunten Platz macht, sorgt neben Lawrences historischem dritten Sieg für eine der wichtigsten Geschichten des Turniers.
Lawrence schreibt seine Crans-Geschichte weiter
Die 79. Ausgabe des Omega European Masters endet damit mit einem Finale, das lange in Erinnerung bleiben dürfte. Lawrence holt sechs Schläge auf, spielt am Sonntag die mit Abstand stärkste Runde der beiden Finalisten und übersteht anschliessend ein nervenaufreibendes Stechen.
Casey fehlen bei mehreren Putts nur Zentimeter. Erst beim vierten Playoff-Loch bekommt Lawrence selbst die Gelegenheit, den Titel direkt zu entscheiden – und nutzt sie mit einem einzigen perfekten Schlag.
Nach seinen Erfolgen 2022 und 2025 gewinnt Lawrence damit zum dritten Mal innerhalb von fünf Austragungen in Crans-Montana. Der Severiano-Ballesteros-Platz hat einen neuen Dreifachsieger – und Joel Girrbach liefert mit Rang neun gleichzeitig einen starken Schweizer Schlusspunkt.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert