Pferde im Herbst: Wenn Nässe zur Gefahr wird

Der Herbst stellt Pferde und ihre Halter vor besondere Herausforderungen. Regen, matschige Weiden, sinkende Temperaturen und kürzere Tage verändern die Bedingungen im Stall und auf der Koppel. Besonders Feuchtigkeit kann zum Problem werden, wenn Hufe und Haut über längere Zeit nicht richtig abtrocknen.

Gleichzeitig beginnt für viele Pferde der Fellwechsel. Der Organismus passt sich an die kühlere Jahreszeit an, während sich auch die Fütterung und das Weidemanagement verändern können. Was im Sommer problemlos funktioniert hat, muss im Herbst deshalb häufig neu beurteilt werden.

Mit einer guten Stallhygiene, regelmässiger Hufkontrolle, ausreichend Bewegung und einer angepassten Fütterung lassen sich viele typische Herbstprobleme vermeiden. Entscheidend ist, frühzeitig auf Veränderungen zu reagieren.

PFERDESPORT.CH INFORMIERT
Das Wichtigste auf einen Blick
Matschige Weiden: Dauerhafte Feuchtigkeit kann Haut und Hufe belasten.
Fellwechsel: Pferde bilden ihr Winterfell und benötigen eine bedarfsgerechte Versorgung.
Hufgesundheit: Regelmässige Kontrollen helfen, Veränderungen früh zu erkennen.
Fütterung: Weniger Weidegras muss gegebenenfalls durch geeignetes Raufutter ausgeglichen werden.
Bewegung: Auch im Herbst brauchen Pferde regelmässigen Auslauf.
Was das bedeutet
Nicht die kühlen Temperaturen allein sind im Herbst entscheidend, sondern vor allem Nässe, Bodenverhältnisse und die individuellen Bedürfnisse des Pferdes. Eine angepasste Haltung und sorgfältige tägliche Kontrolle sind besonders wichtig.

Warum der Herbst für Pferde besonders anspruchsvoll ist

Während Menschen bei sinkenden Temperaturen häufig bereits zur Winterjacke greifen, kommen viele gesunde Pferde mit kühler Witterung gut zurecht.

Ihr Fell, ihre natürliche Wärmeregulation und ihre Fähigkeit zur Anpassung schützen sie vor niedrigen Temperaturen. Allerdings müssen die Haltungsbedingungen stimmen.

Problematisch wird es insbesondere dann, wenn Pferde über längere Zeit auf durchnässten Flächen stehen, keinen geeigneten trockenen Liegebereich haben oder sich nicht ausreichend bewegen können.

Auch starke Temperaturschwankungen und anhaltender Regen können die tägliche Versorgung anspruchsvoller machen.

Pferdehalter sollten deshalb nicht nur auf das Thermometer schauen, sondern den gesamten Zustand des Tieres und seiner Umgebung berücksichtigen.

Matschige Weiden können zur Belastung werden

Im Herbst verwandeln sich stark beanspruchte Weideflächen häufig in matschige Böden.

Besonders rund um Tränken, Futterstellen, Tore und Unterstände entstehen schnell tiefe, feuchte Bereiche.

Für Pferde bedeutet das mehrere Herausforderungen.

Einerseits kann das Gehen auf rutschigem Untergrund schwieriger werden. Andererseits sind Hufe und die Haut im Bereich der Fesseln über längere Zeit Feuchtigkeit und Schmutz ausgesetzt.

Deshalb sollten stark beanspruchte Bereiche möglichst befestigt oder regelmässig kontrolliert werden.

Auch ein trockener Rückzugsbereich ist wichtig. Pferde benötigen die Möglichkeit, sich aus besonders nassen Zonen zurückzuziehen und auf geeignetem Untergrund zu ruhen.

Mauke: Wenn Feuchtigkeit die Haut belastet

Eine bekannte Erkrankung im Zusammenhang mit feuchten Haltungsbedingungen ist die Mauke.

Dabei handelt es sich um eine entzündliche Hauterkrankung, die besonders im Bereich der Fesselbeuge auftreten kann.

Typische Anzeichen sind Rötungen, Krusten, Schwellungen und empfindliche Haut. In ausgeprägten Fällen können Schmerzen und Lahmheit hinzukommen.

Allerdings ist Mauke keine Erkrankung mit nur einer einzigen Ursache. Feuchtigkeit kann die Hautbarriere schwächen, doch auch Bakterien, Parasiten, Reizstoffe und individuelle Empfindlichkeiten können eine Rolle spielen.

Wichtig ist deshalb, die Haut regelmässig zu kontrollieren.

Bei auffälligen Veränderungen sollte ein Tierarzt beigezogen werden. Eigenmässiges starkes Schrubben oder das gewaltsame Entfernen von Krusten kann die Haut zusätzlich schädigen.

Hufpflege wird im Herbst besonders wichtig

Auch die Hufe reagieren auf wechselnde Bodenverhältnisse.

Bei anhaltender Nässe kann das Horn weicher werden. Gleichzeitig können Schmutz und feuchtes Material in Strahlfurchen und anderen Vertiefungen zurückbleiben.

Das kann unter anderem die Entstehung von Strahlfäule begünstigen.

Regelmässiges Auskratzen und Kontrollieren der Hufe gehört deshalb auch im Herbst zur täglichen Routine.

Besonders aufmerksam sollten Pferdehalter werden, wenn ein unangenehmer Geruch, ungewöhnliche Veränderungen am Strahl oder eine erhöhte Empfindlichkeit auftreten.

Die regelmässige Betreuung durch einen qualifizierten Hufbearbeiter oder Hufschmied bleibt ebenfalls wichtig.

Fellwechsel: Der Körper stellt sich auf den Winter ein

Wenn die Tage kürzer werden, beginnt bei vielen Pferden der Wechsel vom Sommer- zum Winterfell.

Die Tageslänge ist dabei ein wichtiger Einflussfaktor. Der Organismus passt die Fellbildung an die Jahreszeit an.

Während dieser Phase kann der Pflegeaufwand steigen.

Regelmässiges Putzen hilft, lose Haare und Schmutz zu entfernen. Gleichzeitig bietet die Fellpflege eine gute Gelegenheit, den Hautzustand und die allgemeine Verfassung des Pferdes zu kontrollieren.

Nicht jedes Pferd benötigt während des Fellwechsels automatisch zusätzliches Kraftfutter oder Ergänzungspräparate.

Entscheidend sind der individuelle Ernährungszustand, die Qualität der Grundfütterung, die Arbeitsbelastung und mögliche gesundheitliche Besonderheiten.

Die Belmedia Sportwelt: Noch mehr Sport entdecken

DIE BELMEDIA SPORTWELT
🏆 Noch mehr Sport entdecken
Von der Reithalle bis zum Fussballstadion: Entdecken Sie weitere Sportarten, aktuelle Nachrichten und spannende Geschichten aus der Welt des Sports.

Weniger Weidegras verändert die Fütterung

Im Herbst nimmt das Graswachstum vielerorts deutlich ab.

Gleichzeitig können sich Nährstoffgehalt und Verfügbarkeit des Weidefutters verändern. Pferde, die während des Sommers einen grossen Teil ihres Raufutters auf der Weide aufgenommen haben, benötigen deshalb möglicherweise eine angepasste Versorgung.

Hochwertiges Heu spielt dabei eine wichtige Rolle.

Pferde sind auf eine kontinuierliche Aufnahme von geeignetem Raufutter angewiesen. Lange Fresspausen sollten möglichst vermieden werden.

Die Futtermenge muss zum individuellen Bedarf passen. Ein leichtfuttriges Freizeitpferd hat andere Anforderungen als ein intensiv trainiertes Sportpferd oder ein älteres Tier mit Zahnproblemen.

Auch im Herbst muss jederzeit ausreichend sauberes Trinkwasser verfügbar sein.

Vorsicht bei spätem Weidegang

Herbstliche Weiden sind nicht grundsätzlich ungefährlich, nur weil das Gras langsamer wächst.

Je nach Wetterlage und Pflanzenbestand kann der Gehalt an wasserlöslichen Kohlenhydraten im Gras schwanken.

Besonders bei Pferden mit Stoffwechselproblemen oder erhöhtem Hufreherisiko sollte der Weidegang deshalb individuell geplant werden.

Kühle Nächte in Verbindung mit sonnigen Tagen können unter bestimmten Bedingungen zu einer erhöhten Ansammlung von Zucker im Gras beitragen.

Pferdehalter sollten sich daher nicht allein an der Jahreszeit orientieren, sondern auch den Zustand der Weide und die gesundheitlichen Bedürfnisse ihres Pferdes berücksichtigen.

Braucht jedes Pferd im Herbst eine Decke?

Sobald die Temperaturen sinken, stellt sich vielerorts die Frage nach einer Pferdedecke.

Eine pauschale Antwort gibt es nicht.

Gesunde, ungeschorene und gut an das Aussenklima gewöhnte Pferde können häufig auch mit niedrigen Temperaturen gut umgehen, sofern sie ausreichend Futter, Bewegungsmöglichkeiten und geeigneten Witterungsschutz haben.

Anders kann die Situation bei geschorenen Sportpferden, älteren oder kranken Tieren sowie Pferden mit eingeschränkter Wärmeregulation aussehen.

Entscheidend ist, ob das Pferd tatsächlich zusätzlichen Schutz benötigt.

Eine ungeeignete oder zu warme Decke kann ebenso problematisch sein wie unzureichender Schutz bei einem Pferd, das ihn benötigt.

Deshalb sollten Körperzustand, Fell, Witterung und Haltungsform gemeinsam beurteilt werden.

Bewegung bleibt auch bei schlechtem Wetter wichtig

Wenn es tagelang regnet, werden Ausritte und Trainingseinheiten häufig verkürzt oder verschoben.

Dennoch benötigen Pferde regelmässige Bewegung und möglichst viel freie Bewegung.

Sie unterstützt unter anderem den Bewegungsapparat und ermöglicht natürliches Verhalten.

Auf rutschigen Wegen oder tiefen Böden ist allerdings Vorsicht geboten.

Besonders schnelle Wendungen, abrupte Stopps und intensive Belastungen auf ungeeignetem Untergrund können das Verletzungsrisiko erhöhen.

Eine angepasste Bewegungseinheit auf sicherem Boden ist deshalb häufig sinnvoller als ein anspruchsvolles Training unter schlechten Bedingungen.

Auch Stall und Ausrüstung brauchen mehr Aufmerksamkeit

Feuchtigkeit macht nicht nur den Pferden zu schaffen.

Nasse Decken, verschmutzte Sattelunterlagen und schlecht trocknende Ausrüstung können ebenfalls Probleme verursachen.

Sattelzeug und Textilien sollten nach Gebrauch kontrolliert, gereinigt und vollständig getrocknet werden.

Im Stall ist auf ausreichend trockene Liegeflächen, geeignete Einstreu und gute Luftqualität zu achten.

Besonders in geschlossenen Stallbereichen darf die Belüftung nicht vernachlässigt werden.

Frische Luft ist wichtig, während dauerhafte Zugluft an ungünstigen Liege- und Ruheplätzen vermieden werden sollte.

Fazit: Gute Herbstpflege beginnt mit täglicher Aufmerksamkeit

Der Herbst muss für Pferde keine problematische Jahreszeit sein.

Mit angepasstem Weidemanagement, sorgfältiger Huf- und Hautpflege, geeigneter Fütterung und ausreichend Bewegung lassen sich viele typische Belastungen reduzieren.

Besonders wichtig ist, Veränderungen frühzeitig zu erkennen.

Wer täglich Hufe, Haut, Fressverhalten und allgemeine Verfassung kontrolliert, schafft gute Voraussetzungen dafür, dass sein Pferd gesund und möglichst entspannt durch die Übergangszeit kommt.

PFERDESPORT.CH – PRAXISTIPPS
8 Tipps für gesunde Pferde im Herbst
Die wichtigsten Kontrollen für Stall, Weide und tägliche Pflege
01   Hufe kontrollieren: Täglich auskratzen und auf auffällige Veränderungen achten.
02   Fesselbeugen prüfen: Rötungen, Krusten und Schwellungen früh erkennen.
03   Trockene Bereiche anbieten: Dauerhaft matschige Stand- und Liegeflächen vermeiden.
04   Raufutter anpassen: Rückläufiges Weidegras durch geeignete Fütterung ausgleichen.
05   Fellwechsel begleiten: Regelmässig putzen und den Ernährungszustand beobachten.
06   Bewegung ermöglichen: Auch bei Regen für geeigneten Auslauf sorgen.
07   Ausrüstung trocknen: Decken, Sattelunterlagen und Pflegeutensilien kontrollieren.
08   Gesundheit beobachten: Bei Lahmheit, schmerzhaften Hautveränderungen oder Krankheitsanzeichen tierärztlichen Rat einholen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Titelbild: Symbolbild © Gillian Hughes Photography – istockphoto.com