Lawinen und Murgänge: So viel investiert die Schweiz in den Schutz
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Berge Bevölkerungsschutz Draussen familie.ch lawine.ch Lawinen Magazine nachrichtenticker.ch Natur & Naturereignisse News Orte Prävention Regionen reiseziele.ch Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Themen Unwetter Wettereinsätze Ⳇ Verbreitung
Die Schweiz investiert jedes Jahr Hunderte Millionen Franken, um Menschen, Siedlungen und Verkehrswege vor Lawinen, Murgängen und anderen Naturgefahren zu schützen. Für 2025 werden öffentliche Schutzausgaben von rund 755 Millionen Franken genannt. Hinzu kommen erhebliche Investitionen von Privatpersonen, Unternehmen und Versicherungen. Doch wohin fliesst das Geld, und wie wirksam sind die Massnahmen?
Der Naturgefahrenschutz gehört zu den wichtigsten Aufgaben in den Schweizer Bergregionen. Lawinenverbauungen sichern gefährdete Hänge, Wildbachsperren bremsen Geröllmassen und Schutzwälder verringern das Risiko schwerer Schäden. Bund, Kantone und Gemeinden finanzieren diese Massnahmen gemeinsam.
Die Bedeutung wächst angesichts zunehmender Extremereignisse. Starkniederschläge können innerhalb kurzer Zeit Murgänge auslösen, während Lawinen Strassen, Bahnlinien und bewohnte Gebiete gefährden. Der Bund hat deshalb im Mai 2026 zusätzliche 27 Millionen Franken für den Naturgefahrenschutz der Jahre 2025 bis 2028 beantragt.
Hunderte Millionen für Schutzbauten und Vorsorge
Nach der offiziellen Umweltindikatorenstatistik investierten Bund, Kantone und Gemeinden 2024 rund 656 Millionen Franken in den Schutz vor Naturgefahren.
Für 2025 werden rund 755 Millionen Franken angegeben. Das entspricht einem Anstieg von ungefähr 99 Millionen Franken beziehungsweise 15 Prozent.
Den grössten Teil der öffentlichen Investitionen machen Schutzbauten im Bereich der Wasserbaugesetzgebung aus.
Dazu kommen Massnahmen gegen Lawinen, Steinschlag und Rutschungen sowie Schutzwaldpflege und die Verbesserung von Warnsystemen.
Warum auch von drei Milliarden Franken die Rede ist
Die Nationale Plattform Naturgefahren PLANAT beziffert den gesamten jährlichen Schutzaufwand der Schweiz auf rund drei Milliarden Franken.
Diese umfassendere Betrachtung berücksichtigt zusätzlich die Leistungen von Privathaushalten, Unternehmen und Versicherungen.
Davon entfallen nach der PLANAT-Erhebung rund 1,7 Milliarden Franken auf diese privaten Akteure.
Die drei Milliarden sind deshalb nicht mit den öffentlichen Ausgaben von 755 Millionen Franken gleichzusetzen. Die Zahlen beruhen auf unterschiedlichen Erhebungen und Abgrenzungen.
Ausserdem betreffen sie sämtliche berücksichtigten Naturgefahren, nicht allein Lawinen und Murgänge.
Lawinenverbauungen sichern gefährdete Hänge
Im Lawinenschutz spielen dauerhaft installierte Stahl- und Stützkonstruktionen eine zentrale Rolle.
Sie werden vor allem dort errichtet, wo sich Schneemassen lösen und Siedlungen oder wichtige Verkehrsverbindungen gefährden könnten.
Die Konstruktionen stabilisieren die Schneedecke in besonders kritischen Anrissgebieten.
Daneben können Ablenkdämme und Auffangräume eingesetzt werden, um die Auswirkungen einer Lawine zu begrenzen.
Solche Anlagen müssen regelmässig kontrolliert und instand gehalten werden. Im alpinen Gelände erschweren Schnee, Steinschlag und schwierige Zugänge diese Arbeiten.
Wie die Schweiz Murgänge aufhält
Murgänge bestehen aus Wasser, Schlamm, Geröll und teilweise grossen Felsblöcken.
Sie entstehen häufig nach intensiven Niederschlägen und können innerhalb kürzester Zeit grosse Mengen Material talwärts transportieren.
Zum Schutz werden unter anderem Geschiebesammler, Rückhaltebecken und Wildbachsperren eingesetzt.
Geschiebesammler sollen mitgeführtes Geröll zurückhalten und dadurch nachgelagerte Siedlungen oder Verkehrswege entlasten.
Wildbachsperren können die Erosion begrenzen und das Gefälle eines Bachabschnitts stabilisieren.
Die Anlagen benötigen allerdings Unterhalt. Nach grösseren Ereignissen müssen zurückgehaltene Ablagerungen teilweise entfernt werden, damit erneut Speicherkapazität vorhanden ist.
Der Schutzwald ist eine natürliche Sicherheitsanlage
Nicht jede Schutzmassnahme besteht aus Beton oder Stahl.
Wälder oberhalb von Siedlungen, Strassen und Bahnlinien können das Anbrechen kleinerer Lawinen erschweren, Steinschlag abbremsen und die Stabilität von Hängen verbessern.
Damit diese Wirkung erhalten bleibt, müssen Schutzwälder gepflegt und verjüngt werden.
Dazu gehören die Förderung geeigneter Baumarten, die Sicherung der natürlichen Verjüngung und Massnahmen gegen Schäden durch Wildverbiss.
Ein funktionierender Schutzwald ersetzt technische Anlagen nicht in jeder Gefahrensituation. In vielen Gebieten ergänzt er jedoch den baulichen Schutz.
Warnsysteme gewinnen an Bedeutung
Zur Prävention gehört auch die frühzeitige Erkennung gefährlicher Entwicklungen.
Messstationen erfassen unter anderem Niederschläge, Schneehöhen und weitere relevante Wetter- und Geländedaten.
Automatische Warnanlagen können bei bestimmten Ereignissen Strassen sperren oder Alarmierungen auslösen.
Entscheidend ist dabei nicht nur die Technik. Fachstellen müssen Messwerte auswerten und Behörden rechtzeitig über drohende Gefahren informieren.
Bei Lawinen und Murgängen bleiben lokale Unterschiede gross. Eine Warnung kann das Risiko reduzieren, aber keinen vollständigen Schutz gewährleisten.
Auch der Schutz von Nationalstrassen kostet Millionen
Der Naturgefahrenschutz betrifft nicht ausschliesslich Bergdörfer.
Das Bundesamt für Strassen ASTRA beziffert die jährlichen Kosten für die Gefahrenanalyse sowie Bau, Betrieb und Unterhalt von Schutzmassnahmen entlang der Nationalstrassen auf durchschnittlich rund 20 Millionen Franken.
Wie notwendig diese Arbeiten sind, zeigte der Murgang am Simplonpass im Juni 2024.
Damals verschütteten Wasser, Schlamm, Geröll und Felsmaterial die Nationalstrasse über mehrere Hundert Meter. Das Material drang auch in die Galerie Engi ein.
Warum der Bund zusätzliche Mittel benötigt
Am 27. Mai 2026 beantragte der Bundesrat eine Erhöhung des Verpflichtungskredits für den Naturgefahrenschutz 2025 bis 2028 um 27 Millionen Franken.
Der zuvor bewilligte Kredit von 153 Millionen Franken war infolge ausserordentlicher Ereignisse bereits zweimal um jeweils vier Millionen erhöht worden.
Besonders hohe Mehrkosten entstanden beim Entwässerungsstollen Braunwald im Kanton Glarus und beim Umsiedlungsprojekt Brienz/Brinzauls in Graubünden.
Auch die steigenden Kosten durch Lawinen, Murgänge und andere Naturgefahren verdeutlichen den zunehmenden finanziellen Druck.
Prävention schützt Menschen und Sachwerte
Zwischen 1972 und 2024 verursachten Hochwasser, Murgänge, Rutschungen und Sturzprozesse in der Schweiz durchschnittlich rund 321 Millionen Franken direkte Schäden pro Jahr.
Mehr als 90 Prozent dieser registrierten Schäden entfielen auf Hochwasser und Murgänge. Lawinenschäden sind in dieser Schadensreihe nicht enthalten.
Ein absoluter Schutz vor Naturgefahren bleibt unmöglich. Die Schweiz investiert deshalb gleichzeitig in bauliche Massnahmen, die Überwachung gefährdeter Gebiete und eine vorausschauende Raumplanung.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert