Monumoira: Was hinter dem neuen Armeedenkmal steckt
Mit Monumoira verfügt die Schweizer Armee erstmals über einen zentralen Gedenkort für ihre im Dienst verstorbenen Angehörigen und für Zivilpersonen, die bei Militärunglücken ums Leben gekommen sind. Das Denkmal soll nicht nur an vergangene Schicksale erinnern, sondern auch Raum für persönliche Trauer, gemeinsame Gedenkfeiern und die Auseinandersetzung mit Verantwortung bieten. Seine besondere Gestaltung macht den Verlust von Menschen auf eindrückliche Weise sichtbar.
1. Mehr als 10’000 verstorbene Armeeangehörige
Nach früheren Angaben der Schweizer Armee verloren in den vergangenen rund 150 Jahren mehr als 10’000 Armeeangehörige während ihres Dienstes das Leben. Dazu gehören Todesfälle beim Grenzdienst während der Weltkriege sowie Unglücke im Zusammenhang mit Flugzeugen, Schiess- und Munitionsübungen, dem Strassenverkehr oder Einsätzen im Gebirge. Die meisten Todesfälle standen nicht im Zusammenhang mit direkten Kriegshandlungen, sondern ereigneten sich bei Unfällen und anderen tragischen Ereignissen im Militärdienst. Monumoira erinnert an die Menschen hinter diesen Zahlen und an ihre Angehörigen.
2. Warum das Denkmal in Luzern steht
Der Gedenkort befindet sich auf dem Gelände des Armee-Ausbildungszentrums Luzern (AAL). Der Standort wurde bewusst gewählt, weil dort Angehörige des Berufs- und Milizpersonals der Armee ausgebildet werden. Dadurch kann Monumoira auch in militärische Lehrgänge und Kurse einbezogen werden. Die Erinnerung an tödliche Ereignisse soll zukünftige Führungspersonen für Verantwortung und Sicherheit sensibilisieren. Zugleich bietet der Ort Raum für stilles Gedenken und gemeinsame Zeremonien.
3. Wie das Siegerprojekt ausgewählt wurde
Im November 2020 lancierte die Schweizer Armee einen zweistufigen Wettbewerb zur Gestaltung eines zentralen Gedenkorts. Aus zahlreichen eingereichten Entwürfen wurde im Dezember 2021 das Projekt „Monumoira“ zum Sieger gekürt. Entworfen wurde es vom Künstler andreasschneider und vom Architekten Philipp Schallnau. Ausschlaggebend war insbesondere die klare, zeitlose Symbolik des Entwurfs. Im Sommer 2026 wurde das Denkmal realisiert und am 2. November feierlich eingeweiht.
4. Die Bedeutung des 167 Meter langen Metallbands
Das langgezogene Metallband bildet einen wesentlichen Teil des Gedenkorts. Seine Form erinnert an einen Einschnitt, wie er durch den plötzlichen Verlust eines Menschen entstehen kann. Zugleich lässt sich das Band als Narbe verstehen: Eine Verletzung kann mit der Zeit verheilen, doch ihre Spuren bleiben sichtbar. Damit steht das Denkmal nicht für einen einzelnen historischen Vorfall, sondern für die vielen persönlichen Schicksale, an die erinnert werden soll. Die Gestaltung verzichtet bewusst auf eine rein traditionelle Denkmalform.
5. Eine 26 Meter hohe Stele als Lichtzeichen
Die 26 Meter hohe Stele ist bereits aus grösserer Entfernung wahrnehmbar. An ihrer Spitze befindet sich ein Licht, das den Gedenkort auch bei Dunkelheit sichtbar macht. Dieses Licht kann als moderne Interpretation einer Ewigen Flamme verstanden werden. In der Gedenkkultur steht eine solche Flamme häufig für bleibende Erinnerung und das Versprechen, Verstorbene nicht zu vergessen. Monumoira greift diesen Gedanken mit einer zeitgenössischen architektonischen Form auf.
6. Vier Landessprachen verbinden das Gedenken
Im abgesenkten Teil des Denkmals befinden sich Gedanken und Texte in Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch. Sie befassen sich mit Verlust, Schmerz, Trauer, Trost, Hoffnung und Versöhnung. Die Mehrsprachigkeit unterstreicht, dass das Gedenken Menschen aus allen Landesteilen verbindet. Sie macht deutlich, dass das Schicksal der Verstorbenen und ihrer Angehörigen nicht nur eine bestimmte Region oder Sprachgemeinschaft betrifft, sondern die gesamte Schweiz.
7. Eine Einweihung im Zeichen gemeinsamer Erinnerung
Die Einweihung am 2. November 2026 fand im Rahmen einer schlichten Zeremonie mit geladenen Gästen statt. Unter den Teilnehmenden waren die Luzerner Regierungsrätin Ylfete Fanaj, der Chef der Armee, Korpskommandant Benedikt Roos, der Chef Armeestab, Divisionär Daniel Keller, sowie der Kommandant der Höheren Kaderausbildung, Divisionär René Wellinger. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Stiftungen und beteiligten Organisationen waren anwesend. Im Mittelpunkt stand das gemeinsame Erinnern an verstorbene Armeeangehörige und zivile Opfer von Militärunglücken.
Gut zu wissen: Monumoira ist nicht ausschliesslich als Denkmal für gefallene Soldaten gedacht. Es würdigt ausdrücklich auch Armeeangehörige, die bei Unfällen oder anderen tragischen Ereignissen im Dienst starben, sowie Zivilpersonen, die bei Militärunglücken ums Leben kamen. Damit steht nicht ein militärischer Sieg oder eine Schlacht im Mittelpunkt, sondern das persönliche Schicksal der Verstorbenen und das Leid ihrer Hinterbliebenen.
Praktischer Tipp: Wer sich näher mit Monumoira beschäftigen möchte, findet in der militärwissenschaftlichen Zeitschrift „stratos“ der Schweizer Armee ein eigenes Dossier über die Entstehung des Gedenkorts, seine Gestaltung und die Texte am Denkmal. Vor einem Besuch am Armee-Ausbildungszentrum sollten die geltenden Zutritts- und Besuchsbedingungen abgeklärt werden. Eine allgemeine freie Zugänglichkeit des Geländes ist damit nicht vorausgesetzt.
Weitere Informationen: Nachrichten zur Schweizer Armee, zu militärischen Gedenkanlässen und zur Armeegeschichte finden Sie bei Armee-News und auf Schweizerarmee.ch.