NHL bremst Atlanta-Euphorie – Bewerbung noch nicht einmal eingereicht

Der Traum von einer NHL-Rückkehr nach Atlanta ist nicht geplatzt – aber deutlich weniger weit fortgeschritten als zuletzt dargestellt. Krause Sports and Entertainment stellt klar, dass für das Milliardenprojekt «The Gathering at South Forsyth» noch keine formelle Bewerbung um eine NHL-Franchise eingereicht wurde. Auch die Liga bestätigt, dass Atlanta von einer offiziellen Bewerbungsphase noch weit entfernt ist.

Auslöser für die Klarstellung waren Berichte, wonach das Projekt bereits ein finales Finanzierungspaket bei der NHL eingereicht habe und sich die mögliche Rückkehr nach Georgia einer entscheidenden Phase nähere. Diese Darstellung weist die Entwicklergruppe zurück.

Die Arbeiten am geplanten Sport- und Entertainmentquartier werden deswegen nicht gestoppt. Bereits am 7. September sollen in South Forsyth umfangreiche Erdarbeiten beginnen. Das Gesamtprojekt hat ein Volumen von rund drei Milliarden Dollar und beinhaltet eine Arena, die für ein NHL-Team ausgelegt werden könnte.

Für Atlanta bedeutet die aktuelle Entwicklung deshalb weder ein Ja noch ein Nein. Die Infrastrukturpläne laufen weiter, doch von einer zugesagten Franchise oder einer formellen Bewerbung kann derzeit keine Rede sein.

Berichte über finales NHL-Dossier waren verfrüht

Für Aufsehen sorgten zunächst Informationen aus dem Umfeld des Projekts, wonach die Finanzierung für eine mögliche NHL-Franchise gesichert und ein finales Paket zur Prüfung an die Liga übermittelt worden sei. Daraus entstand schnell der Eindruck, Atlanta könnte unmittelbar vor dem nächsten grossen Schritt stehen.

Krause Sports and Entertainment widerspricht dieser Darstellung. Die Informationen seien verfrüht und unvollständig gewesen. Die NHL habe keine Entscheidung über das Projekt getroffen und «The Gathering at South Forsyth» befinde sich ausdrücklich noch nicht in einer formellen Bewerbungsphase.

Damit ist die Ausgangslage wesentlich klarer: Die Verantwortlichen arbeiten weiter auf eine mögliche NHL-Zukunft hin, doch ein offizieller Antrag auf Aufnahme eines neuen Teams existiert noch nicht.

Bill Daly bremst die Erwartungen deutlich

Auch NHL-Deputy-Commissioner Bill Daly macht deutlich, dass der Weg noch lang ist. Der Prozess sei noch nicht annähernd an jenem Punkt angekommen, an dem von einer offiziellen Bewerbung gesprochen werden könne.

Für eine Expansion müssen zahlreiche Voraussetzungen erfüllt sein. Neben einer finanzstarken Eigentümergruppe spielen die langfristige Finanzierung, eine geeignete Arena, das Marktpotenzial und die wirtschaftliche Tragfähigkeit einer Franchise eine zentrale Rolle.

Atlanta besitzt mit seinen aktuellen Projekten zwar mehrere interessante Voraussetzungen. Die entscheidende formelle Prüfung durch die NHL hat aber noch nicht begonnen.

South Forsyth treibt Milliardenprojekt trotzdem voran

Die Klarstellung der NHL ändert nichts daran, dass in South Forsyth weiter investiert wird. Ab dem 7. September sollen auf mehr als 90 Acres umfangreiche Planierungsarbeiten durchgeführt werden.

Diese erste Bauphase soll mehrere Monate dauern. Danach sind Arbeiten an Versorgungsleitungen und der elektrischen Infrastruktur vorgesehen. Der eigentliche Hochbau soll nach dem derzeitigen Zeitplan im Sommer 2027 beginnen.

Das gesamte Projekt wird mit rund drei Milliarden Dollar beziffert. Herzstück soll eine rund 700’000 Quadratfuss grosse Arena sein, die technisch und infrastrukturell für eine mögliche NHL-Franchise vorbereitet werden soll.

Daneben sind Restaurants, Geschäfte, Unterhaltung, weitere kommerzielle Flächen und öffentliche Bereiche geplant. South Forsyth soll damit unabhängig von einer NHL-Entscheidung zu einem neuen grossen Sport- und Entertainmentstandort werden.

Zwei Projekte kämpfen um die Zukunft von Atlanta

South Forsyth ist allerdings nicht das einzige Projekt, das auf eine NHL-Rückkehr hofft. Auch in Alpharetta bestehen konkrete Pläne für eine neue Arena rund um das Gelände des North Point Mall.

Dort wurde Ende August ein wichtiger politischer Schritt vollzogen. Die zuständigen Behörden genehmigten die notwendige Umzonung für ein grosses Sport- und Entertainmentquartier.

Vorgesehen ist unter anderem eine Arena mit rund 20’000 Plätzen, die ebenfalls für ein NHL-Team ausgelegt werden soll. Hinzu kommen Wohnungen, Hotels, Restaurants, Büros, Geschäfte und weitere Veranstaltungsflächen.

Damit existieren innerhalb des Grossraums Atlanta zwei konkurrierende Projekte. Welcher Standort bei einer möglichen späteren Expansion die besseren Chancen hätte, ist völlig offen.

Atlanta wäre bereits der dritte NHL-Versuch

Eine mögliche neue Franchise hätte in Atlanta eine besondere historische Dimension. Die Stadt war bereits zweimal Teil der NHL – beide Teams verliessen Georgia später wieder.

Die Atlanta Flames wurden 1972 gegründet und zogen 1980 nach Calgary. Dort spielen sie bis heute als Calgary Flames.

1999 erhielt Atlanta mit den Thrashers eine zweite Franchise. Auch dieses Kapitel endete mit einem Umzug: 2011 wurde das Team verkauft und nach Winnipeg verlegt, wo daraus die heutigen Jets wurden.

Dass Winnipeg heute weiterhin eng mit der NHL verbunden ist, zeigt auch die Situation von Nino Niederreiter, der bei den Jets um einen weiteren NHL-Vertrag kämpft.

Warum Atlanta diesmal trotzdem interessant bleibt

Die Befürworter eines dritten Versuchs argumentieren, dass sich der Grossraum Atlanta seit dem Ende der Thrashers erheblich verändert habe. Die Bevölkerung ist gewachsen, insbesondere die nördlichen Vororte gelten als wirtschaftlich starkes Einzugsgebiet.

Genau dort setzen sowohl South Forsyth als auch Alpharetta an. Eine neue Franchise würde nicht einfach in eine bestehende Innenstadtarena einziehen, sondern wäre Teil eines eigens entwickelten Sport- und Entertainmentquartiers.

Damit sollen frühere Probleme vermieden und langfristig stabilere wirtschaftliche Voraussetzungen geschaffen werden. Ob dieses Konzept die NHL überzeugt, muss sich allerdings erst noch zeigen.

Keine Absage – aber auch keine Zusage

Die wichtigste Erkenntnis der aktuellen Entwicklung ist deshalb eindeutig: Die NHL-Pläne in Atlanta wurden nicht verworfen. Gleichzeitig waren Berichte über eine bereits weit fortgeschrittene Bewerbung deutlich zu optimistisch.

South Forsyth baut weiter, Alpharetta arbeitet ebenfalls an seinem Projekt und beide Seiten wollen sich für eine mögliche Expansion positionieren. Die NHL selbst hat jedoch weder eine Franchise zugesagt noch einen formellen Bewerbungsprozess für Atlanta eröffnet.

Für die Region beginnt damit weiterhin ein langfristiges Rennen um die Rückkehr des professionellen Eishockeys. Die Investoren schaffen zunehmend konkrete Voraussetzungen – die entscheidende Entscheidung liegt aber weiterhin bei der NHL.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert