Van Aert gewinnt verkürzte Vuelta-Hitzeetappe – Mas bleibt souverän in Rot

Wout van Aert schlägt bei der Vuelta a España erneut zu. Der Belgier gewinnt die wegen extremer Hitze von 189,7 auf 110,2 Kilometer verkürzte 15. Etappe von Palma del Río nach Córdoba im Sprint einer fünfköpfigen Spitzengruppe. Alessandro Romele wird Zweiter vor Thibau Nys, während Enric Mas das Rote Trikot vor Felix Gall und Primož Roglič sicher verteidigt.

Van Aert setzt sich rund 30 Kilometer vor dem Ziel gemeinsam mit vier weiteren Fahrern ab und kontrolliert anschliessend auch das taktische Finale. Selbst mehrere Angriffe seiner Begleiter können den 31-Jährigen nicht entscheidend unter Druck setzen.

Für den Visma-Profi ist es bereits der zweite Etappensieg bei der diesjährigen Vuelta. Erst am Freitag hatte er in Loja triumphiert. Gleichzeitig baut Van Aert seine Führung in der Punktewertung weiter aus.

Im Kampf um den Gesamtsieg bleibt dagegen alles ruhig. Mas erreicht Córdoba mit den anderen Favoriten 2:44 Minuten nach dem Sieger und geht mit 2:06 Minuten Vorsprung auf Felix Gall in den zweiten Ruhetag. Roglič folgt nur vier Sekunden hinter dem Österreicher.

Hitze zwingt Vuelta zu drastischer Verkürzung

Schon am Samstagabend hatte die Vuelta-Organisation auf die erwarteten hohen Temperaturen in Andalusien reagiert. Nach Aktivierung des Protokolls für extreme Wetterbedingungen wurde die ursprünglich 189,7 Kilometer lange Etappe auf lediglich 110,2 Kilometer reduziert.

Auch der Start wurde nach hinten verschoben. Statt der ursprünglich vorgesehenen Route führte das Feld ab Kilometer 52 direkt in Richtung Santa María de Trassierra und anschliessend weiter nach Córdoba.

Die Entscheidung fiel nach Gesprächen zwischen Rennleitung, Kommissären, Teams und Fahrern. Im Vordergrund stand der Schutz der Fahrer vor den extremen Bedingungen auf der ursprünglich deutlich längeren Strecke.

Durch die Verkürzung verändert sich gleichzeitig der Charakter der Etappe. Statt eines langen Abnutzungskampfes entwickelt sich ein kurzes, aggressives Rennen mit zahlreichen Attacken und kaum ruhigen Phasen.

Van Aert erkennt im richtigen Moment seine Chance

Visma-Lease a Bike kontrolliert weite Teile der Etappe zunächst für seine schnellen Fahrer. Mit Matthew Brennan verfügt das Team auch für einen möglichen Sprint des Feldes über eine ausgezeichnete Option.

Van Aert entscheidet sich trotzdem für die Offensive. Rund um den Zwischensprint in Santa María de Trassierra erkennt der Belgier die Gelegenheit und setzt sich vom Feld ab.

An der Spitze bildet sich rund 30 Kilometer vor dem Ziel eine fünfköpfige Gruppe. Neben Van Aert gehören Andreas Leknessund von Uno-X Mobility, Ramses Debruyne von Alpecin-Premier Tech, Thibau Nys von Lidl-Trek und Alessandro Romele von XDS Astana dazu.

Die Zusammensetzung ist für Van Aert günstig. Alle fünf Fahrer verfügen über ausreichend Tempo, um den Vorsprung gegenüber dem Feld zu verteidigen. Gleichzeitig ist der Belgier im Sprint der klare Favorit.

Fünfergruppe hält das Feld auf Distanz

Die Ausreisser arbeiten zunächst gut zusammen und verhindern, dass das Hauptfeld nochmals gefährlich nahekommt. Van Aert übernimmt selbst viel Verantwortung und investiert zahlreiche Kräfte in die Führungsarbeit.

Hinter der Spitze besteht für Visma kaum Grund zur Panik. Sollte die Gruppe doch noch gestellt werden, wartet mit Brennan eine weitere Siegoption im Feld. Für Van Aert bedeutet dies taktische Freiheit.

Die fünf Spitzenfahrer fahren schliesslich einen ausreichend grossen Vorsprung heraus. Im Hauptfeld richtet sich die Aufmerksamkeit zunehmend auf das sichere Erreichen des Ziels und weniger auf die Jagd nach dem Etappensieg.

Mas und seine wichtigsten Rivalen können sich dadurch einen vergleichsweise ruhigen Nachmittag leisten. Nach den schweren Bergetappen der vergangenen Tage ist dies unmittelbar vor dem Ruhetag durchaus willkommen.

Nys versucht Van Aert zweimal zu überraschen

Im Finale beginnt das taktische Spiel innerhalb der Spitzengruppe. Niemand möchte Van Aert freiwillig in einen normalen Sprint führen, entsprechend versuchen seine Konkurrenten mit Attacken eine Vorentscheidung zu erzwingen.

Besonders Thibau Nys geht in die Offensive. Rund 3,5 Kilometer vor dem Ziel attackiert der junge Belgier, doch Van Aert lässt sich nicht abschütteln und sorgt dafür, dass die Gruppe wieder zusammenkommt.

Auch Leknessund wird genau beobachtet. Van Aert rechnet mit einem Angriff des Norwegers und achtet in den letzten Kilometern darauf, keine gefährliche Lücke entstehen zu lassen.

Damit läuft alles auf einen Sprint der fünf Ausreisser hinaus. Nys versucht es nochmals und eröffnet bereits rund 300 Meter vor der Ziellinie einen langen Sprint.

Van Aert ist in Córdoba erneut nicht zu schlagen

Van Aert bleibt zunächst im Windschatten und wartet geduldig auf seinen Moment. Auf den letzten Metern beschleunigt der Belgier, zieht an Nys vorbei und lässt auch Alessandro Romele keine Chance.

Romele sichert sich den zweiten Platz, Nys muss sich nach seinem mutigen Versuch mit Rang drei begnügen. Für Van Aert ist es ein weiterer eindrucksvoller Erfolg bei einer Vuelta, in der er erneut seine enorme Vielseitigkeit unter Beweis stellt.

Córdoba entwickelt sich dabei zu einem besonderen Ort für den Belgier. Bereits 2024 hatte Van Aert hier eine Vuelta-Etappe gewonnen. Zwei Jahre später wiederholt er seinen Triumph in der andalusischen Stadt.

Es ist sein fünfter Vuelta-Etappensieg insgesamt. Drei Erfolge hatte er 2024 gefeiert, nun kommen bei der Ausgabe 2026 bereits zwei weitere hinzu. Über alle drei Grand Tours hinweg steht Van Aert mittlerweile bei 16 Etappensiegen.

Zweiter Sieg innerhalb von drei Tagen

Die Form des Belgiers ist bemerkenswert. Erst am Freitag hatte Van Aert die 13. Vuelta-Etappe nach Loja gewonnen und damit seinen ersten Tageserfolg der diesjährigen Rundfahrt gefeiert.

Damals war der Rennverlauf völlig anders. Van Aert gehörte zu einer grossen Ausreissergruppe und setzte sich im Finale gemeinsam mit Valentin Paret-Peintre ab, ehe er den Franzosen im Sprint bezwang.

In Córdoba nutzt er nun erneut eine Fluchtgruppe, diesmal allerdings auf einer wesentlich kürzeren und explosiveren Etappe. Die unterschiedlichen Rennverläufe zeigen, weshalb Van Aert für seine Gegner so schwer auszurechnen ist.

Gleichzeitig festigt er das Grüne Trikot des Führenden in der Punktewertung. Visma-Lease a Bike setzt damit seine aussergewöhnlich erfolgreiche Vuelta fort.

Mas verbringt einen ruhigen Tag im Roten Trikot

Während vorne um den Tagessieg gekämpft wird, bleibt der Kampf um das Gesamtklassement praktisch eingefroren. Das Feld mit den Favoriten erreicht Córdoba 2:44 Minuten hinter Van Aert.

Enric Mas erlebt damit nach den harten Tagen im Gebirge einen vergleichsweise entspannten Nachmittag. Der Movistar-Kapitän muss keinen ernsthaften Angriff seiner direkten Konkurrenten abwehren und verteidigt das Rote Trikot problemlos.

Mas führt die Gesamtwertung weiterhin mit 2:06 Minuten Vorsprung auf Felix Gall an. Der Österreicher hatte sich auf der Bergankunft zur Sierra de La Pandera am Samstag auf Rang zwei vorgeschoben.

Primož Roglič liegt mit 2:10 Minuten Rückstand nur vier Sekunden hinter Gall auf Rang drei. Richard Carapaz folgt mit 4:24 Minuten, Oscar Onley weist als Fünfter bereits 5:44 Minuten Rückstand auf.

Gall bleibt erster Verfolger von Mas

Damit bleibt insbesondere der Kampf um die Podestplätze völlig offen. Zwischen Gall und Roglič liegen vor der letzten Vuelta-Woche lediglich vier Sekunden.

Mas besitzt dagegen ein deutlich komfortableres Polster. Der Spanier hat in den vergangenen Bergankünften mehrfach bewiesen, dass er derzeit zumindest auf Augenhöhe mit seinen stärksten Konkurrenten fährt.

Entschieden ist die Rundfahrt dennoch nicht. In der letzten Woche warten sowohl ein 32,1 Kilometer langes Einzelzeitfahren als auch zwei schwere Tage mit Bergankünften.

Gerade Roglič dürfte im Zeitfahren versuchen, einen erheblichen Teil seines Rückstands aufzuholen. Gall wiederum muss seine Position gegenüber dem Slowenen verteidigen und gleichzeitig nach Möglichkeiten suchen, Mas unter Druck zu setzen.

Ruhetag vor der entscheidenden letzten Woche

Am Montag steht für das Feld der zweite und letzte Ruhetag dieser Vuelta auf dem Programm. Danach bleiben noch sechs Etappen bis zum Finale am Sonntag, 13. September, in Granada.

Am Dienstag führt die 16. Etappe über 181,1 Kilometer von Cortegana nach La Rábida bei Palos de la Frontera. Die Vuelta stuft den Parcours als hügelig ein, die schwersten Abschnitte liegen allerdings in der ersten Hälfte des Tages.

Am Mittwoch folgt eine 185 Kilometer lange Flachetappe nach Sevilla. Richtig entscheidend für das Gesamtklassement dürfte es ab Donnerstag werden: Das 32,1 Kilometer lange Einzelzeitfahren von El Puerto de Santa María nach Jerez de la Frontera könnte die Abstände an der Spitze erheblich verändern.

Danach warten die Bergankünfte in Peñas Blancas und am Collado del Alguacil. Mas geht mit einem komfortablen Vorsprung in diese entscheidende Phase – doch Gall und Roglič erhalten noch mehrere Möglichkeiten für einen Angriff.

Der Sonntag in Córdoba gehört zunächst aber Wout van Aert. Nach einer wegen der Hitze stark verkürzten, hektischen Etappe liest der Belgier das Rennen perfekt und bestätigt mit seinem zweiten Sieg innerhalb von drei Tagen seine herausragende Form.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert