Cyberangriff auf Loxone: Was Unternehmen künftig besser schützen müssen
von belmedia Redaktion Allgemein Alltag Betrieb Cyberkriminalität Cybersecurity digital.ch Kriminalität Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Prävention Regionen Schweiz Schweiz Sicherheit sicherheit.ch Technik Themen Ⳇ Verbreitung
Ein Cyberangriff auf den Gebäudeautomations-Spezialisten Loxone zeigt, wie schnell digitale Angriffe den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen können. Das österreichische Unternehmen arbeitet seit dem 18. Oktober 2026 an der Wiederherstellung seiner IT-Systeme. Am Mittwoch meldete Loxone deutliche Fortschritte. Der Vorfall wirft eine wichtige Frage auf: Wie können Unternehmen, Gebäudeverwaltungen und Privatpersonen ihre digitalen Systeme künftig besser schützen?
Betroffen sind insbesondere interne Unternehmenssysteme mit Partner-, Kundenkontakt- und Bewerberdaten. Loxone geht inzwischen davon aus, dass Angreifer Daten kopiert haben. Zudem wurden Datenbanken verschlüsselt. Die lokal arbeitenden Miniserver für die Gebäudesteuerung sowie Remote Connect und Exosphere sind laut Unternehmen nicht betroffen.
Der Angriff ist auch für die Schweiz relevant. Loxone betreibt hier einen Logistikstandort und arbeitet mit Installationsbetrieben und Geschäftspartnern zusammen. Der Fall verdeutlicht, weshalb Unternehmen ihre Verwaltungs-IT, Gebäudeautomation und Kundendaten voneinander trennen und auf einen möglichen Ernstfall vorbereitet sein sollten.
Was beim Cyberangriff auf Loxone geschah
Am Sonntag, 18. Oktober, stellte Loxone einen Angriff auf seine interne IT fest. Betroffene Systeme wurden isoliert und Spezialisten für IT-Forensik beigezogen.
Untersuchungen ergaben, dass interne Datenbanken verschlüsselt wurden. Das Unternehmen geht zudem davon aus, dass Daten aus dem CRM und dem Bewerbermanagement kopiert worden sind.
Zu den möglicherweise betroffenen Informationen gehören Kontaktdaten von Geschäftspartnern, Supportanfragen und Bewerbungsunterlagen.
Am 21. Oktober meldete Loxone, dass Website, Webshop und Partnerportal technisch wiederhergestellt seien. Vor der öffentlichen Freischaltung sollten weitere Sicherheitsupdates eingespielt werden.
Auch die weltweite Logistik einschliesslich des Schweizer Standorts läuft wieder. Ein 25-köpfiges Team arbeitet weiterhin an der vollständigen Wiederherstellung.
Warum die Gebäudesteuerung weiter funktioniert
Besonders interessant ist die technische Trennung zwischen den betroffenen Unternehmenssystemen und den Kundeninstallationen.
Loxone-Miniserver steuern Heizung, Beleuchtung, Beschattung und weitere Gebäudefunktionen lokal. Dafür benötigen sie keine permanente Verbindung zur Verwaltungsinfrastruktur des Herstellers.
Diese Trennung hat sich beim aktuellen Vorfall als wichtiger Schutz erwiesen.
Für Gebäudebetreiber ergibt sich daraus eine zentrale Erkenntnis: Eine intelligente Gebäudesteuerung sollte grundlegende Funktionen auch dann ausführen können, wenn externe Dienste ausfallen.
Netzwerke trennen statt alles miteinander verbinden
Viele Unternehmen betreiben Bürocomputer, Kameras, Zutrittssysteme und Gebäudeautomation im selben Netzwerk.
Das kann gefährlich werden. Erhalten Angreifer Zugriff auf einen schlecht geschützten Rechner, können sie versuchen, weitere Systeme zu erreichen.
Besser ist eine konsequente Netzwerksegmentierung. Büro-IT, Gäste-WLAN, Sicherheitskameras und Gebäudetechnik erhalten getrennte Netzwerkbereiche.
Notwendige Verbindungen werden über klar definierte Firewall-Regeln erlaubt. Direkte Zugänge aus dem Internet sollten vermieden werden.
Passwörter und Zugriffsrechte verbessern
Ein weiterer Schwerpunkt liegt bei Benutzerkonten.
Administratoren sollten nicht dieselben Zugangsdaten für mehrere Systeme verwenden. Besonders kritische Konten benötigen eine starke Mehrfaktor-Authentifizierung.
Für viele Anwendungen eignen sich Passkeys oder zusätzliche Sicherheitsschlüssel. Wie sich Benutzerkonten zeitgemäss absichern lassen, hängt auch von den unterstützten Anmeldeverfahren ab.
Zugriffsrechte sollten zudem regelmässig überprüft werden. Mitarbeitende und externe Dienstleister erhalten ausschliesslich die Berechtigungen, die sie tatsächlich benötigen.
Backups müssen auch einen Angriff überstehen
Eine Datensicherung schützt nur, wenn Angreifer sie nicht gleichzeitig mit den übrigen Systemen zerstören oder verschlüsseln können.
Unternehmen sollten deshalb regelmässig Backups erstellen und mindestens eine Sicherung getrennt vom produktiven Netzwerk aufbewahren.
Besonders sinnvoll sind unveränderbare oder offline gespeicherte Backups.
Ebenso wichtig ist der Wiederherstellungstest. Erst wenn sich Daten und Anwendungen tatsächlich zurückspielen lassen, ist die Datensicherung im Ernstfall verlässlich.
Updates, Überwachung und Notfallübungen
Software und Betriebssysteme benötigen regelmässige Sicherheitsupdates. Besonders internetbasierte Verwaltungsoberflächen und Fernwartungszugänge verdienen Aufmerksamkeit.
Zusätzlich sollten Unternehmen ungewöhnliche Anmeldeversuche und Veränderungen an kritischen Systemen überwachen.
Ein Notfallplan regelt, wer bei einem Cyberangriff entscheidet, welche Systeme sofort getrennt werden und wie der Betrieb ohne zentrale IT weiterlaufen kann.
Solche Abläufe sollten nicht erst während eines Angriffs besprochen, sondern regelmässig geübt werden.
Was Schweizer Betriebe jetzt konkret tun können
Für KMU, Hotels, Gebäudeverwaltungen und Installationsbetriebe empfiehlt sich eine Überprüfung der eigenen IT-Architektur.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Fernwartungszugänge und Zugangsdaten, die früher mit externen Dienstleistern geteilt wurden.
Wer Passwörter für technische Anlagen per unverschlüsselter E-Mail weitergegeben hat, sollte diese ersetzen und die Zugriffsrechte kontrollieren.
Auch Privatpersonen profitieren von getrennten Netzwerken für Smart-Home-Geräte, aktuellen Sicherheitsupdates und einzigartigen Passwörtern.
Die wichtigste Lehre aus dem Loxone-Vorfall lautet: Gute Cybersicherheit verhindert nicht nur Angriffe, sondern begrenzt vor allem deren Auswirkungen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert