Bund prüft drastische Sparmassnahme: Tempo 80 auf Autobahnen
von belmedia Redaktion +Instagram-CH Ereignisse polizei.news Polizeinews Regionen Schweiz Verkehr & Katastrophen Verkehrsmeldungen
(Schweiz). Der Bund prüft eine einschneidende Massnahme gegen eine mögliche Treibstoffknappheit: Auf Schweizer Autobahnen könnte die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h gesenkt werden. Das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung hat entsprechende Vorbereitungen bestätigt. Ein Entscheid ist allerdings noch nicht gefallen.
Wie die «Schweiz am Wochenende» berichtet, wurde eine entsprechende Vorlage im Herbst innerhalb der Bundesverwaltung zur Stellungnahme vorgelegt. Mit der Geschwindigkeitsreduktion soll bei einer schweren Mangellage der Treibstoffverbrauch gesenkt werden.
Die Versorgungssituation ist bereits angespannt. Der Bund hat deshalb erneut die Freigabe von Diesel aus den Pflichtlagern bewilligt. Für Autofahrer stellt sich nun die Frage, unter welchen Umständen Tempo 80 tatsächlich eingeführt werden könnte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Massnahme: Mögliche Senkung der Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h
- Betroffene Strassen: Schweizer Autobahnen
- Grund: Vorsorge gegen eine schwere Treibstoffknappheit
- Zuständige Behörde: Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung (BWL)
- Stand: Verwaltungsinterne Prüfung, noch kein Beschluss
- Dieselreserven: Freigabe von bis zu 45 Millionen Litern bewilligt
- Ziel: Treibstoff sparen und Pflichtlager entlasten
Bund bereitet mögliche Temporeduktion vor
Auf Schweizer Autobahnen gilt grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Bei einer schweren Treibstoffknappheit könnte diese Limite künftig deutlich gesenkt werden.
Nach Recherchen der «Schweiz am Wochenende» hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung im Herbst eine entsprechende Vorlage zur verwaltungsinternen Konsultation vorgelegt.
Die Behörde bestätigte gegenüber der Zeitung, dass eine solche Massnahme bei einer schweren Mangellage die bereits laufende Nutzung der Pflichtlager ergänzen könnte.
Damit soll der Verbrauch von Benzin und Diesel reduziert und die vorhandene Versorgung möglichst lange sichergestellt werden.
45 Millionen Liter Diesel aus Pflichtlagern freigegeben
Die angespannte Versorgungslage hat bereits konkrete Auswirkungen.
Am Freitag, 23. Oktober 2026, bewilligte der Bund den Bezug von bis zu 45 Millionen Litern Diesel aus den Pflichtlagern. Diese Menge entspricht knapp vier Prozent der vorhandenen Dieselreserven.
Hintergrund sind Lieferverzögerungen infolge starker Regenfälle in Südfrankreich.
Bereits im September mussten Treibstoffreserven freigegeben werden. Damals war die einzige Erdölraffinerie der Schweiz in Cressier im Kanton Neuenburg wegen eines technischen Defekts während rund zwei Wochen ausser Betrieb.
Zusätzlich erschweren niedrige Wasserstände des Rheins den Transport von Mineralölprodukten auf dem Wasserweg.
Warum Tempo 80 den Treibstoffverbrauch senken kann
Bei höheren Geschwindigkeiten steigt der Luftwiderstand deutlich. Besonders auf Autobahnen benötigt ein Fahrzeug deshalb bei Tempo 120 in der Regel mehr Energie als bei Tempo 80.
Eine tiefere Geschwindigkeit kann den Treibstoffverbrauch pro gefahrenem Kilometer reduzieren.
Wie gross die Einsparung tatsächlich ausfällt, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab:
- Fahrzeugtyp und Motorisierung
- Verkehrsaufkommen und Fahrverhalten
- Streckenprofil und Witterung
- Anteil der tatsächlich mit tieferem Tempo gefahrenen Kilometer
- Bereits bestehenden Geschwindigkeitsbeschränkungen
Eine konkrete Einsparquote für die diskutierte schweizweite Massnahme hat das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung bislang nicht genannt.
Tempo 80 ist auf einzelnen Autobahnabschnitten bereits Realität
Geschwindigkeitsreduktionen auf 80 km/h sind auf Schweizer Autobahnen nicht grundsätzlich neu.
Das Bundesamt für Strassen (ASTRA) setzt bereits heute auf verschiedenen Streckenabschnitten variable Geschwindigkeitsbegrenzungen ein.
Bei starkem Verkehrsaufkommen können elektronische Signalanlagen die zulässige Geschwindigkeit schrittweise von 120 auf 100 oder 80 km/h reduzieren.
Dadurch sollen Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Fahrzeugen verringert, der Verkehrsfluss verbessert und Staus möglichst verhindert werden.
Die jetzt diskutierte Massnahme unterscheidet sich jedoch wesentlich davon: Sie wäre eine Reaktion auf eine schwere Treibstoffmangellage und würde in erster Linie der Verbrauchsreduktion dienen.
Wann könnte Tempo 80 eingeführt werden?
Noch ist offen, unter welchen Voraussetzungen eine entsprechende Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet würde.
Auch zur möglichen Dauer, zum räumlichen Geltungsbereich und zum konkreten Einsparpotenzial liegen bislang keine abschliessenden Angaben vor.
Der Bundesrat könnte bei einer schweren Mangellage entsprechende Massnahmen beschliessen.
Für Autofahrer gilt deshalb weiterhin: Massgebend sind die aktuell geltenden gesetzlichen Höchstgeschwindigkeiten sowie die örtlich signalisierten Tempolimiten.
Eine allgemeine Reduktion auf Tempo 80 wurde bislang nicht beschlossen.
Stand: 24. Oktober 2026
Quelle: «Schweiz am Wochenende» / Blick, 24.10.2026 / Bundesamt für Strassen ASTRA / Polizei.news
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