Streik am Flughafen Zürich droht – Swissport-Verhandlungen gescheitert
von belmedia Redaktion Airlines Allgemein Alltag Betrieb Business Familie familie.ch Familienreisen Flug flughafen.ch Flugzeug Magazine Mobilität nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Reisen & Ausflüge reiseziele.ch Schweiz Schweiz Themen tourismus.ch Zürich Ⳇ Verbreitung
Am Flughafen Zürich droht ab Januar 2027 ein Streik des Bodenpersonals. Die Verhandlungen über einen neuen Gesamtarbeitsvertrag zwischen Swissport und den Arbeitnehmerverbänden sind gescheitert, wie die beteiligten Gewerkschaften am Montag, 2. November 2026, bekannt geben. Im Zentrum stehen höhere Löhne, bessere Arbeitsbedingungen und die zunehmende Belastung der Beschäftigten. Rund 2’000 Mitarbeitende sind vom Konflikt betroffen.
Die Gewerkschaften SEV-GATA, VPOD und der Kaufmännische Verband werfen Swissport vor, bei den Lohnforderungen zu wenig entgegenzukommen. Der bestehende Gesamtarbeitsvertrag läuft am 31. Dezember aus. Ohne neue Vereinbarung endet Anfang 2027 auch die vertragliche Friedenspflicht. Damit werden Arbeitskampfmassnahmen bis hin zu einem Streik möglich.
Ein Arbeitsausstand könnte erhebliche Auswirkungen auf den Betrieb am grössten Schweizer Flughafen haben. Swissport übernimmt zentrale Aufgaben beim Check-in, bei der Gepäckabfertigung und auf dem Vorfeld. Besonders bei dicht aufeinanderfolgenden Flügen könnten personelle Engpässe zu Verspätungen und Einschränkungen führen. Für Reisende und Fluggesellschaften werden die kommenden Wochen deshalb entscheidend.
Gewerkschaften kritisieren das Lohnangebot
Die gescheiterten Verhandlungen betreffen den Gesamtarbeitsvertrag des Swissport-Bodenpersonals am Flughafen Zürich. Die Arbeitnehmerseite verlangt deutlich höhere Löhne und Verbesserungen bei den Arbeitsbedingungen.
Die Gewerkschaften fordern eine Lohnerhöhung von insgesamt 7 Prozent über vier Jahre. Swissport bot nach Darstellung der Arbeitnehmerverbände für rund drei Viertel der Beschäftigten lediglich 2,8 Prozent an.
Bei anderen Funktionen waren höhere Anpassungen vorgesehen. Die Gewerkschaften kritisieren jedoch, dass diese teilweise durch Verschiebungen zulasten anderer Beschäftigtengruppen finanziert werden sollten.
Besonders umstritten sind die Einstiegslöhne. Diese liegen nach Angaben der Arbeitnehmerverbände teilweise nur knapp über 4’000 Franken monatlich.
Hinzu kommt der Kaufkraftverlust der vergangenen Jahre. Die Gewerkschaften argumentieren, dass frühere Lohnanpassungen die gestiegenen Lebenshaltungskosten nicht ausreichend ausgeglichen hätten.
Auch die Arbeitszeiten sorgen für Streit
Neben dem Geld geht es um die Organisation der Arbeit. Swissport möchte nach Darstellung der Gewerkschaften zusätzliche Flexibilität bei den Einsatzzeiten erreichen.
Dazu gehören Änderungen bei der Jahresarbeitszeit und mehr Schichten mit längeren Unterbrüchen.
Für viele Beschäftigte gehören unregelmässige Arbeitszeiten, Nacht- und Wochenenddienste bereits zum Alltag. Kurze Ruhezeiten zwischen zwei Einsätzen erhöhen die Belastung zusätzlich.
Die Arbeitnehmerverbände lehnen deshalb weitere Zugeständnisse ab, solange die Löhne und übrigen Anstellungsbedingungen nicht entsprechend verbessert werden.
Warum Swissport für den Flughafen unverzichtbar ist
Swissport zählt zu den wichtigsten Bodenabfertigungsunternehmen am Flughafen Zürich. Das Unternehmen betreut mehr als 30 Fluggesellschaften und übernimmt zahlreiche Leistungen zwischen Ankunft und Abflug.
Dazu gehören die Passagierabfertigung am Schalter und Gate, der Gepäcktransport, die Flugzeugbeladung und das Zurückstossen der Maschinen vom Standplatz.
Wie eng die einzelnen Abläufe zusammenhängen, zeigt die Bodenabfertigung zwischen Landung und erneutem Start. Mehrere Teams arbeiten gleichzeitig, damit ein Flugzeug innerhalb der vorgesehenen Zeit wieder abheben kann.
Fehlen Mitarbeitende bei der Gepäckverladung oder am Gate, kann dies den gesamten Ablauf verzögern. Die Auswirkungen können sich anschliessend auf weitere Flüge übertragen.
Corona-Zugeständnisse belasten die Verhandlungen
Der aktuelle Konflikt hat eine längere Vorgeschichte.
Bei der letzten Erneuerung des Gesamtarbeitsvertrags im Jahr 2022 mussten die Beschäftigten im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie verschiedene Zugeständnisse machen.
Dazu gehörten nach Angaben der Gewerkschaften der Wegfall der Frühpensionierung mit 63 Jahren und eine höhere Beteiligung der Mitarbeitenden an den Pensionskassenbeiträgen.
Nun erwarten die Arbeitnehmerverbände eine deutliche Verbesserung ihrer Anstellungsbedingungen.
Die Lage ist für Swissport auch wirtschaftlich bedeutend. Das Unternehmen erhielt 2025 die Bodenabfertigungslizenz am Flughafen Zürich für weitere sieben Jahre bis 2032.
Ab Januar könnte der Arbeitskampf beginnen
Mit dem Ende des bestehenden Gesamtarbeitsvertrags am 31. Dezember läuft die bisherige Friedenspflicht aus.
Die Gewerkschaften stellen für diesen Fall Arbeitskampfmassnahmen in Aussicht. Wie weit diese gehen werden, hängt von der weiteren Entwicklung ab.
Die Arbeitnehmerverbände erklären sich bereit, die Gespräche wieder aufzunehmen, falls Swissport ein verbessertes Angebot unterbreitet.
Für den Flughafen Zürich wäre eine Einigung vor dem Jahreswechsel besonders wichtig. Die stark vernetzten Abläufe am Flughafen lassen sich bei einem grösseren Personalausfall nur begrenzt auffangen.
Was Reisende jetzt wissen müssen
Für Passagiere steht vor allem die Frage im Vordergrund, ob ein möglicher Arbeitskampf ihre Reise beeinträchtigen könnte.
Besonders betroffen wären bei einem Streik jene Flüge, deren Bodenabfertigung Swissport übernimmt. Je nach Umfang der Arbeitsniederlegung könnten längere Wartezeiten, verspätete Gepäckausgaben und verschobene Abflüge entstehen.
Entscheidend sind nun die nächsten Schritte der Sozialpartner. Eine Einigung würde die Situation entschärfen. Ohne Fortschritte könnte sich der Arbeitskonflikt zu Beginn des neuen Jahres direkt auf den Flugbetrieb auswirken.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert