Formel 1 erstmals auf dem Madring – Audi aus Hinwil vor Fahrt ins Ungewisse

Die Formel 1 betritt in Madrid Neuland. Am Freitag um 13.30 Uhr beginnt auf dem neuen Madring das erste offizielle Formel-1-Training der Geschichte – und mittendrin steht das Audi Revolut F1 Team mit seinem zentralen Entwicklungs- und Einsatzstandort in Hinwil. Für Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto beginnt nach dem punktelosen Monza-Wochenende die nächste Jagd nach WM-Zählern.

Der Madring ist für sämtliche Teams eine besondere Herausforderung. Die 5,414 Kilometer lange Strecke verbindet öffentliche Strassen mit eigens gebauten permanenten Abschnitten und umfasst 22 Kurven. Am Freitag stehen zwei Trainings auf dem Programm, am Samstag folgen das dritte Training und das Qualifying.

Für Audi kommt das neue Terrain unmittelbar nach einem Wochenende, an dem Punkte nur knapp ausser Reichweite lagen. Gabriel Bortoleto wurde in Monza Elfter, Nico Hülkenberg Zwölfter. Bereits vor dem Italien-GP hatte das Team aus Hinwil auf die besonderen Anforderungen der schnellen Strecke von Monza hingearbeitet. In Madrid beginnt die Vorbereitung nun praktisch bei null.

Madring feiert seine Formel-1-Premiere

Madrid kehrt nach mehr als vier Jahrzehnten auf die Formel-1-Landkarte zurück. Zwischen 1968 und 1981 wurden auf dem Circuito del Jarama nördlich der Hauptstadt insgesamt neun WM-Läufe ausgetragen.

Der Madring hat mit der damaligen Strecke jedoch nichts zu tun.

Der neue Kurs entstand rund um das Messegelände IFEMA und das Gebiet Valdebebas. Sein Konzept verbindet Elemente eines klassischen Strassenkurses mit permanent errichteten Streckenabschnitten.

Die Renndistanz am Sonntag beträgt 57 Runden beziehungsweise 308,524 Kilometer.

Eine offizielle Rundenbestzeit existiert naturgemäss noch nicht.

La Monumental soll zum Wahrzeichen werden

Besonders viel Aufmerksamkeit erhält bereits vor der Premiere die spektakuläre Steilkurve «La Monumental».

Der Abschnitt ist rund 550 Meter lang und weist eine Neigung von bis zu 24 Prozent auf. Rund 45’000 Zuschauer sollen allein im Umfeld dieser Passage Platz finden.

Mehrere mögliche Fahrlinien sollen Überholmanöver begünstigen. Gleichzeitig dürfte die Kurve insbesondere bei der Abstimmung des Autos eine wichtige Rolle spielen.

Auf anderen Teilen der Strecke stehen dagegen lange Vollgaspassagen und enge technische Kurven im Mittelpunkt.

Die Formel 1 rechnet auf dem Madring mit Spitzengeschwindigkeiten von rund 340 km/h.

Neue Strecke verlangt schnelle Lernkurve

Für die Ingenieure stellt ein komplett neuer Kurs eine besondere Aufgabe dar.

Zwar verfügen die Teams über umfangreiche Simulationsdaten. Die tatsächlichen Gripverhältnisse, Bodenwellen, Windbedingungen und die Reifenentwicklung lassen sich jedoch erst zuverlässig beurteilen, wenn die Autos auf der Strecke unterwegs sind.

Gerade das erste Training dürfte deshalb stark von Messfahrten geprägt sein.

Die Fahrer müssen gleichzeitig möglichst schnell ihre Bremspunkte und Ideallinien finden. Fehler können auf einem Kurs mit teilweise nahen Mauern teuer werden.

Der Madring verfügt zudem über zwei sogenannte Straight-Mode-Zonen. Eine befindet sich auf der Start-Ziel-Geraden, die zweite zwischen den Kurven 3 und 4.

Mit den neuen Formel-1-Regeln 2026 ersetzt dieses aerodynamische System das bisher bekannte DRS-Konzept teilweise. Zusätzlich steht den Fahrern unter den entsprechenden Bedingungen der neue Overtake Mode zur Verfügung.

Audi will nach Monza zurück in die Punkte

Beim Audi Revolut F1 Team dürfte die Zielsetzung klar sein: Nach dem punktelosen Italien-GP soll Madrid wieder WM-Punkte bringen.

Bortoleto fehlte in Monza als Elftem nur eine Position zu einem Zähler. Hülkenberg folgte direkt dahinter auf Rang zwölf.

Bemerkenswert war insbesondere Hülkenbergs Geschwindigkeit zum Rennende. Der Deutsche fuhr die drittschnellste Rennrunde des gesamten Grand Prix – nur Sieger Kimi Antonelli und Max Verstappen waren bei ihrer jeweils schnellsten Runde schneller.

Das zeigte, dass im Audi R26 grundsätzlich Tempo vorhanden war.

Auf dem Madring werden allerdings vollkommen andere Qualitäten verlangt. Während Monza von langen Geraden und extrem wenig Abtrieb geprägt ist, müssen die Ingenieure in Madrid einen Kompromiss zwischen Topspeed, Stabilität und ausreichend Abtrieb für die technischeren Abschnitte finden.

Hinwil bleibt Herzstück des Audi-Projekts

Für Schweizer Motorsportfans besitzt das Audi-Projekt eine besondere Bedeutung.

Audi übernahm für seinen Formel-1-Einstieg die Sauber-Gruppe. Die Rennwagen werden weiterhin in Hinwil entwickelt und gebaut. Auch die Planung und Durchführung des Rennbetriebs erfolgt vom Zürcher Oberland aus.

Die Power Unit entsteht dagegen bei Audi Formula Racing in Neuburg an der Donau. Hinzu kommt ein Technologiezentrum im englischen Bicester.

Audi bezeichnet sein Formel-1-Engagement als langfristiges Projekt. Das Team will sich über mehrere Jahre Schritt für Schritt in Richtung Spitze entwickeln und ab 2030 in der Lage sein, um Weltmeistertitel zu kämpfen.

Für die erste Saison zählt deshalb vor allem, regelmässig Fortschritte zu erzielen und Chancen auf Punkte konsequent zu nutzen.

Hülkenberg und Bortoleto betreten Neuland

Auch für die beiden Audi-Fahrer ist Madrid eine vollkommen neue Aufgabe.

Hülkenberg bringt zwar die Erfahrung aus weit über 200 Formel-1-Rennen mit, besitzt auf dem Madring aber genauso wenig echte Rennerfahrung wie Rookie Bortoleto.

Simulationen haben deshalb vor diesem Wochenende eine besonders grosse Bedeutung.

Andere Piloten beschrieben den neuen Kurs bereits vor dem ersten Training als schnell und anspruchsvoll. Vor allem die Mischung aus blinden Kurven, Geschwindigkeitswechseln und der Steilkurve sorgt für Spannung.

Ferrari absolvierte zwar bereits im Juli im Rahmen eines sogenannten Filming Days erste begrenzte Runden mit einem Formel-1-Auto auf dem Madring. Ein solcher Einsatz erfolgt jedoch mit strengen Einschränkungen und speziellen Demonstrationsreifen.

Am Freitag beginnt deshalb die eigentliche sportliche Premiere.

Qualifying am Samstag – Rennen am Sonntag

Das erste freie Training beginnt am Freitag um 13.30 Uhr. Die zweite Einheit folgt um 17.00 Uhr.

Am Samstag startet das dritte Training um 12.30 Uhr, bevor es ab 16.00 Uhr im Qualifying erstmals ernst wird.

Der erste Formel-1-Grand-Prix auf dem Madring wird am Sonntag um 15.00 Uhr gestartet.

57 Runden später steht fest, wer als erster Sieger auf der neuen Rennstrecke von Madrid in die Geschichte eingeht.

Für Audi aus Hinwil beginnt die Herausforderung jedoch bereits am Freitag. Jede Runde liefert Daten auf einer Strecke, über die noch kein Team einen echten Erfahrungsvorsprung besitzt.

Genau darin liegt für Hülkenberg und Bortoleto auch die Chance: Wer den Madring am schnellsten versteht, kann bei dieser Premiere möglicherweise für eine Überraschung sorgen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert