Asienverband sucht Gespräch mit Infantino

In der Debatte um die Führung der FIFA schlägt der asiatische Fussballverband AFC einen versöhnlicheren Kurs gegenüber Gianni Infantino ein. AFC-Präsident Salman bin Ibrahim Al Khalifa hat dem FIFA-Präsidenten vorgeschlagen, gemeinsam über Reformen der Governance-Strukturen zu beraten. Konkret bringt er eine interne Arbeitsgruppe ins Spiel, die mögliche Veränderungen innerhalb der bestehenden FIFA-Strukturen prüfen soll.

Damit reagiert die AFC auf die seit Wochen anhaltende Auseinandersetzung um die Entscheidungsprozesse beim Weltverband. Auslöser war insbesondere das inzwischen aufgegebene Projekt FIFA Forward Enterprise, mit dem die kommerziellen Aktivitäten der FIFA neu organisiert und teilweise für private Investoren geöffnet werden sollten. Mehrere Verbände und Konföderationen hatten die Abläufe scharf kritisiert.

Salman schlägt nun einen anderen Weg vor als jene Stimmen, die eine externe Überprüfung verlangen. Nach Informationen von The Athletic vertritt der AFC-Präsident die Auffassung, dass innerhalb der FIFA genügend Erfahrung vorhanden sei, um mögliche Reformen selbst zu erarbeiten. Damit entsteht unmittelbar vor der nächsten Sitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober in Zürich eine neue Gesprächsbasis. Infantino selbst hatte zuvor eine unabhängige externe Prüfung der FIFA-Governance vorgeschlagen.

AFC will Reformprozess innerhalb der FIFA halten

Salman bin Ibrahim Al Khalifa ist nicht nur AFC-Präsident, sondern auch erster Vizepräsident der FIFA. Sein Vorstoss besitzt deshalb Gewicht innerhalb des Weltverbandes.

In seinem Schreiben an Infantino schlägt er vor, die bestehenden Governance-Mechanismen konstruktiv zu überprüfen. Anders als bei Infantinos eigenem Vorschlag soll der Prozess nach Salmans Vorstellungen jedoch nicht hauptsächlich an externe Stellen delegiert werden.

Die AFC setzt stattdessen auf eine interne Arbeitsgruppe. Diese soll prüfen, ob die bestehenden Kontroll- und Entscheidungsstrukturen verbessert werden können.

Damit geht der asiatische Verband auf Distanz zu einem vollständig extern geführten Reformprozess, ohne die grundsätzliche Notwendigkeit von Veränderungen infrage zu stellen.

FIFA Forward Enterprise bleibt der zentrale Konfliktpunkt

Im Zentrum der Auseinandersetzung steht weiterhin FIFA Forward Enterprise. Infantino hatte die Idee im Sommer vorgestellt. Vorgesehen war eine neue Gesellschaft, in der kommerzielle Aktivitäten der FIFA gebündelt werden sollten.

Im ursprünglichen Modell war auch die Beteiligung privater Investoren vorgesehen. Genau dieser Punkt sowie die Art der Entscheidungsfindung stiessen bei mehreren Konföderationen und Nationalverbänden auf Widerstand.

Die FIFA betonte damals, dass eine Umsetzung nur mit Zustimmung der Mitgliedsverbände und des FIFA-Councils erfolgen würde. Nach zunehmender Kritik wurde das Projekt nicht weiterverfolgt.

Infantino reagierte anschliessend mit dem Vorschlag einer unabhängigen Überprüfung der Governance-Strukturen. Salman versucht nun offenbar, diesen Prozess stärker innerhalb der Fussballorganisationen selbst zu halten.

Entscheidende Sitzung am 15. Oktober

Die nächste wichtige Etappe folgt bereits am 15. Oktober. Dann tagt das FIFA-Council in Zürich.

Dort könnten die verschiedenen Reformvorschläge erstmals konkret diskutiert werden. Neben Salman gehören auch UEFA-Präsident Aleksander Čeferin und weitere Konföderationsvertreter dem FIFA-Council an.

Die Debatte fällt gleichzeitig mitten in die Vorbereitung auf die FIFA-Präsidentenwahl 2027. Infantino hat offiziell angekündigt, erneut anzutreten. Am Mittwochabend erklärte zudem der frühere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega seine Absicht, für das Präsidentenamt zu kandidieren.

Die Wahl findet am 18. März 2027 beim 77. FIFA-Kongress in Rabat statt. Damit erhält die Diskussion über die künftige Führung und Kontrolle der FIFA zunehmend auch eine wahlpolitische Dimension innerhalb des Weltfussballs.

🏆 DIE WICHTIGSTEN PUNKTE

  • AFC-Präsident Salman bin Ibrahim Al Khalifa schlägt eine interne Arbeitsgruppe für mögliche FIFA-Reformen vor.
  • Infantino hatte zuvor eine unabhängige externe Überprüfung der Governance-Strukturen angeregt.
  • Auslöser der Reformdebatte ist vor allem der Streit um FIFA Forward Enterprise.
  • Das FIFA-Council tagt am 15. Oktober in Zürich.
📊FIFA-PRÄSIDENTENWAHL 2027 – AKTUELLER STAND
Name / Termin Status Stand
Gianni Infantino Kandidatur angekündigt Amtsinhaber
Ramon Vega Kandidatur angekündigt Formelle Zulassung noch offen
18. März 2027 Präsidentenwahl 77. FIFA-Kongress in Rabat

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert