Adventszeit in Oberbayern: Handwerk, Krippen und lebendige Bräuche

Von handgefertigtem Christbaumschmuck und selbst gebauten Krippen über Musik auf dem Berg bis zu wilden Perchten: In Oberbayern zeigen traditionelle Bräuche und besondere Veranstaltungen, wie vielfältig die Weihnachtszeit sein kann.

Muss Christbaumschmuck immer aus Glas sein? Wie wird aus Naturmaterialien eine eigene Krippe? Und was passiert, wenn Ludwig Thomas „Heilige Nacht“ hoch oben auf dem Berg erklingt? In Oberbayern warten auf die Besucher überraschende Antworten: Hier entstehen filigrane Christbaumkugeln aus Holz, erzählen Krippen ganze Weihnachtsgeschichten und ziehen Perchten mit geschnitzten Masken und lautem Glockengeläut durch die Orte. Zwischen kunstvollem Handwerk, besonderen Adventsveranstaltungen und jahrhundertealten Bräuchen zeigt sich Weihnachten von vielen Seiten – mal besinnlich, mal überraschend und manchmal ganz schön wild.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Handwerk: Am Tegernsee entstehen geschnitzte Christbaumkugeln aus Holz; in Pfaffenhofen wird die Lebzelterei gepflegt.
  • Krippen: Krippenwege und Ausstellungen laden unter anderem ins Chiemsee-Alpenland, nach Lenggries und Freising ein.
  • Musik: Am 5. und 6. Dezember 2026 erklingt Ludwig Thomas „Die Heilige Nacht“ auf dem Wendelstein.
  • Advent: Weihnachtsmärkte und lebendige Krippenspiele finden an mehreren Orten in Oberbayern statt.
  • Brauchtum: Perchten- und Krampusläufe sowie Führungen zu den Rauhnächten ergänzen das Programm.

Echt handgemacht: Weihnachtskunst mit Liebe zum Detail

Filigrane Christbaumkugeln aus Holz: Martin Goldhofer am Tegernsee

Christbaumschmuck, der nicht aus Glas besteht und dennoch filigran wirkt, fertigt Martin Goldhofer in Rottach-Egern in der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Der gelernte Zimmermann drechselt seine „Tegernseer Christbaumkugeln“ zunächst hohl und schnitzt anschliessend von Hand Muster in die dünne Holzwand. Anders als bei anderen traditionellen Techniken werden die Ornamente also nicht eingeschlagen. Das Ergebnis sind durchbrochene Kugeln, bei denen das Holz ein kunstvolles Muster bildet. Martin Goldhofer verarbeitet unter anderem Zirbenholz und heimische Hölzer. Jede Kugel ist ein Unikat; die Technik hat er selbst entwickelt und patentieren lassen. Im kleinen Ausstellungs- und Verkaufsraum beim Gästehaus Goldhofer können die Arbeiten nach vorheriger Anmeldung besichtigt werden. Wer beim Rottacher Advent vorbeischaut, kann den Handwerker dort ebenfalls treffen und ihm beim Schnitzen über die Schulter schauen.



Lebzelterei mit langer Tradition: Haus Hipp in Pfaffenhofen

Die Hallertau ist vor allem für ihren Hopfen bekannt. Doch in Pfaffenhofen an der Ilm gehört auch ein süsses Handwerk zur regionalen Tradition: Im Haus Hipp werden seit Generationen Lebkuchen und kunstvoll verzierte Gebäcke hergestellt. Der Familienbetrieb pflegt die Lebzelterei mit viel handwerklichem Können und Liebe zum Detail.

Echt detailverliebt: Kleine Krippen erzählen grosse Geschichten

Krippenwege im Chiemsee-Alpenland

Ob liebevoll gestaltete Figuren, detailreiche Landschaften oder ganze Szenen aus dem Weihnachtsgeschehen: Krippen machen die Weihnachtsgeschichte auf ganz unterschiedliche Weise sichtbar. Im Chiemsee-Alpenland laden verschiedene Orte dazu ein, die kleinen Weihnachtswelten bei einem Spaziergang zu entdecken. Krippenwege gibt es unter anderem in Bad Endorf, Grossholzhausen, am Samerberg und in Kiefersfelden. Sie verbinden den Besuch der Krippen mit einem Ausflug durch die winterliche Landschaft.



Besonders schön ist es, wenn Besucher selbst Teil der Tradition werden können. In Grossholzhausen führt ein Waldweg hinauf zur Schwarzlack. Entlang des Weges dürfen auch eigene Krippen aufgestellt werden – eine Möglichkeit, die eigene Weihnachtsdarstellung in die gewachsene Krippenlandschaft einzubringen. So wird der Krippenweg zu einem Ort, an dem Besucher die Arbeiten anderer entdecken und die Tradition selbst mitgestalten können.

Mechanische Krippen und Krippenbau in Altötting

In Altötting, dem traditionsreichen Wallfahrtsort in der Tourismusregion Inn-Salzach, wird die Weihnachtsgeschichte zur kleinen Welt für sich: In der mechanischen Krippe setzen bewegliche Figuren das Geschehen rund um die Geburt Christi in Szene. Liebevoll gestaltete Details lassen die Szenerie lebendig werden und laden dazu ein, immer neue Einzelheiten zu entdecken. Wer selbst eine solche Weihnachtswelt erschaffen möchte, erfährt in Kursen und Angeboten zum Krippenbau, wie aus Figuren, Naturmaterialien und einer kunstvoll angelegten Landschaft eine eigene Krippe entsteht.



Krippen aus aller Welt im Diözesanmuseum Freising

Wie unterschiedlich die Weihnachtsgeschichte in verschiedenen Regionen dargestellt wird, zeigt die Ausstellung „Heiss geliebt und schwer vermisst“ im Diözesanmuseum Freising. Vom 29. November 2026 bis zum 31. Januar 2027 stehen Krippen aus Süditalien, Tirol, Oberbayern und Böhmen im Mittelpunkt. Die Exponate erzählen von religiösen Traditionen ebenso wie von regionalen Materialien, künstlerischen Handschriften und den Vorstellungen ihrer Schöpfer. So eröffnet die Ausstellung einen Blick auf unterschiedliche Krippentraditionen und darauf, wie vielfältig sich das Weihnachtsgeschehen künstlerisch gestalten lässt. Das Museum auf dem Domberg 21 ist dienstags bis sonntags von 9 bis 17 Uhr geöffnet.

Der Lenggrieser Kripperlweg

Rund 20 Krippen laden in Lenggries im Tölzer Land vom 5. Dezember 2026 bis zum 6. Januar 2027 zu einem winterlichen Spaziergang ein. Die liebevoll gestalteten Szenen sind in Schaufenstern und an weiteren Stationen im Ort zu entdecken. Auch die Pfarrkirche St. Jakob gehört zum Kripperlweg. Die Krippen verteilen sich über verschiedene Stationen und lassen sich beim Rundgang durch Lenggries nach und nach entdecken. Die unterschiedlichen Darstellungen machen sichtbar, wie vielfältig die Krippenkunst ist – von traditionellen Motiven bis zu individuellen Interpretationen.



Echt stimmungsvoll: Wenn Musik und Geschichten Weihnachten lebendig machen

„Die Heilige Nacht“ auf dem Wendelstein

Wenn die Weihnachtsgeschichte hoch oben in den Bergen erklingt, bekommt sie eine besondere Kulisse. Beim Advent auf dem Wendelstein am 5. und 6. Dezember 2026 führt die Zahnradbahn von Brannenburg hinauf auf 1.724 Meter. Dort liest Andreas Estner Ludwig Thomas Weihnachtslegende „Die Heilige Nacht“. Musikalisch begleiten ihn der Haushamer Bergwachtgsang und die Flintsbacher Alphornbläser. Dazu gibt es Weihnachtsgebäck, Glühwein und dunkles Bier. Die Verbindung aus Literatur, Musik und Bergpanorama macht die Veranstaltung im Chiemsee-Alpenland zu einem besonderen Adventserlebnis.

Festliche Klänge im Königlichen Kurhaus

Bad Reichenhall in der Tourismusregion Berchtesgaden wird vom 19. bis 22. Dezember 2026 zum Treffpunkt für Liebhaber klassischer und alpenländischer Weihnachtsmusik. Bei der Philharmonischen Weihnacht im Königlichen Kurhaus stehen Tschaikowskys „Nussknacker“, Ludwig Thomas „Heilige Nacht“, eine bayerische Weihnachtskantate und traditionelle Weihnachtsmusik aus den Alpen auf dem Programm.



Echt vielfältig: Von stimmungsvollen Märkten bis zu lebendigem Brauchtum

Christbaumschmuck mit Geschichte: das Oaschpfeifirössl

Ein bunt bemaltes Holzpferd mit Reiter gehört zu den charakteristischen Motiven der Weihnachtszeit in Berchtesgaden: das Oaschpfeifirössl. Beim Berchtesgadener Advent lässt es sich vom 20. November 2026 bis zum 3. Januar 2027 im historischen Ortszentrum zwischen Königlichem Schloss und Stiftskirche entdecken. Das Rössl ist Teil der „Berchtesgadener War“, einer jahrhundertealten Handwerkstradition, bei der Familien Spielzeug und kleine Holzarbeiten von Hand fertigten.

Ursprünglich als Kinderspielzeug gedacht, fand das Rössl später seinen Weg an den Christbaum und wurde zu einem charakteristischen Stück regionaler Weihnachtskunst. Während des Adventsmarkts schmücken mehr als 20 überlebensgrosse Holzfiguren den Ort – darunter Motive der traditionellen Berchtesgadener Handwerkskunst. Wer mehr über die Herstellung und weitere kunstvoll bemalte Holzarbeiten erfahren möchte, findet Informationen bei der Berchtesgadener Handwerkskunst.



Ein lebendiges Krippenspiel am Kloster Andechs

Maria, Josef, das Christkind, Hirten, Schafe und ein Esel: Beim Christkindlmarkt auf dem Heiligen Berg in Andechs wird die Weihnachtsgeschichte mit einer lebenden Krippe dargestellt. Vom 4. bis 6. Dezember 2026 übernehmen Menschen aus der Region Starnberg-Ammersee die Rollen und lassen das Geschehen rund um die Geburt Jesu lebendig werden. Die Begegnung mit den Darstellern und Tieren macht die Krippenszene zu einem besonderen Teil des vorweihnachtlichen Markttreibens.



Kunsthandwerk auf dem Schafhof in Freising

Individuelle Geschenkideen statt Massenware stehen beim Adventsmarkt im Schafhof oberhalb von Freising im Mittelpunkt. Am 5. und 6. Dezember 2026 präsentieren rund 50 Kunsthandwerkerinnen und Kunsthandwerker im Europäischen Kunstforum Oberbayern ihre Arbeiten. Von handgefertigten Einzelstücken bis zu besonderen Geschenkideen gibt es hier Produkte zu entdecken, die durch ihre individuelle Gestaltung aus der industriell gefertigten Massenware herausstechen. Geöffnet ist am Samstag von 10 bis 19 Uhr und am Sonntag von 10 bis 18 Uhr.

Historischer Weihnachtsmarkt im Markus Wasmeier Freilichtmuseum

Alte Höfe und Werkstätten bilden die Kulisse für den historischen Weihnachtsmarkt im Markus Wasmeier Freilichtmuseum in Schliersee in der Alpenregion Tegernsee Schliersee. Am 5. und 6. sowie am 12. und 13. Dezember 2026 lässt sich hier erleben, wie Weihnachten früher auf einem oberbayerischen Bauernhof gefeiert wurde. Traditionelles Handwerk und regionale Lebensmittel gehören ebenso zum Markt wie die authentische historische Umgebung. Die historischen Gebäude und Werkstätten prägen das Bild und geben Einblicke in das bäuerliche Leben vergangener Zeiten.



Echt wild: Wenn Perchten und Krampusse durch die Orte ziehen

Furchteinflössende Masken, zottelige Felle und das Dröhnen schwerer Glocken: Perchten und Krampusse gehören zu den eindrucksvollsten Gestalten der oberbayerischen Winterzeit. Ihre Wurzeln reichen tief in altes Brauchtum. Besonders eng sind die Perchten mit den Rauhnächten verbunden, den zwölf Nächten zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag. Der Überlieferung nach ist dies eine geheimnisvolle Zeit, in der Geister und andere unheimliche Gestalten ihr Unwesen treiben. Die wilden Maskenläufe knüpfen an diese Vorstellungen an und werden von Ort zu Ort auf eigene Weise gepflegt.

Rauhnachtsfürsten und Perchten in der Region Inn-Salzach

In Perach werden am 29. November 2026 gegen 18 Uhr die Rauhnachtsfürsten aus Waldkraiburg erwartet. Auch der Adventsmarkt in Winhöring steht vom 26. bis 28. November im Zeichen der Perchten und Rauhnachtsgestalten. Weitere Läufe und Auftritte gibt es in Haag in Oberbayern, Neumarkt-Sankt Veit, Gars am Inn und Maitenbeth. Die verschiedenen Gruppen bringen ihre eigenen Masken und Figuren mit und halten damit regionale Spielarten des Winterbrauchtums lebendig.



Krampus und Perchten im Chiemsee-Alpenland

Die geschnitzten Masken sind kleine Kunstwerke für sich: mit verzerrten Gesichtern, Hörnern und wilden Grimassen. In Kiefersfelden im Chiemsee-Alpenland gehört der Perchtenlauf am 5. Dezember 2026 um 17 Uhr am Hotel zur Post zu den angekündigten Veranstaltungen. In Bernau am Chiemsee ziehen am 12. Dezember um 16.30 Uhr die Krampusse durch den Ort. Bei beiden Läufen stehen die aufwendig gestalteten Figuren und ihre eindrucksvollen Auftritte im Mittelpunkt.

Krampusläufe in Bad Reichenhall

In Bad Reichenhall gehören die Krampusläufe zur winterlichen Brauchtumstradition. Am 3. Dezember 2026 um 18 Uhr sorgen die wilden Gestalten bei Schloss Marzoll für Lärm. Ein weiterer Höhepunkt folgt am 4. Januar 2027 um 19 Uhr beim Rauhnachtslauf vor der Alten Saline: Hier treffen Passen aus Österreich und Deutschland aufeinander. Eine Moderation stellt die Figuren vor und erklärt die Hintergründe der Bräuche.



Den Zauber der Rauhnächte in Kloster Raitenhaslach entdecken

Wer sich intensiver mit den Vorstellungen und Bräuchen rund um die Rauhnächte beschäftigen möchte, kann an der öffentlichen Themenführung „Zauber der Rauhnächte“ im Kloster Raitenhaslach bei Burghausen teilnehmen. Die rund 90-minütigen Führungen sind für den 9. und 16. Dezember 2026 vorgesehen. Die Führung widmet sich den Geschichten, Vorstellungen und Traditionen, die mit den Nächten zwischen den Jahren verbunden sind.

Echt verwurzelt: Bräuche, die von Generation zu Generation weiterleben

Nikolauswallfahrt in Altötting

In Altötting verbindet die Nikolauswallfahrt am 19. Dezember 2026 religiöse Tradition mit einem gemeinschaftlichen Erlebnis. Um 14 Uhr beginnt der Gottesdienst in der Kirche St. Konrad. Anschliessend führt eine Prozession zur Gnadenkapelle. Für Kinder und Erwachsene gibt es Schokoladennikoläuse. Die Wallfahrt zeigt, wie eng Adventsbräuche und die besondere Bedeutung Altöttings als Wallfahrtsort miteinander verbunden sind.



Klöpfeln in Aschau im Chiemgau

Wenn es in der Adventszeit dämmert, ziehen in Aschau im Chiemgau Kinder des örtlichen Trachtenvereins von Haus zu Haus. An den ersten drei Donnerstagen im Advent tragen sie Klöpfellieder vor und bitten um Spenden. Der Brauch gehört zu den überlieferten Formen des vorweihnachtlichen Singens und Sammelns. Das Geld kommt einem guten Zweck zugute. So bleibt die Tradition lebendig und wird zugleich zu einer gemeinschaftlichen Aktion für andere. Aschau im Chiemgau liegt im Chiemsee-Alpenland.

Weihnachtsbräuche bei einem Rundgang durch Neuburg an der Donau

Was Weihnachten früher bedeutete und welche Bräuche bis heute fortleben, steht bei der Führung „Alle Jahre wieder! – Ein Stadtrundgang mit Weihnachtsbräuchen“ in Neuburg an der Donau im Mittelpunkt. Am 26. Dezember 2026 führt der Rundgang von 14 bis 15.30 Uhr zu historischen Orten wie der Schlosskapelle, der Hofkirche und der Provinzialbibliothek mit der Ottheinrichbibel. Dabei geht es um weihnachtliche Traditionen und ihre Spuren in der Stadtgeschichte.



 

Quelle: Tourismus Oberbayern München
Bildquellen: Bild 1, 6, 11: Bad Reichenhall; Bild 2: Haus Hipp;  Bild 3: Tourist Info Bad Endorf; Bild 4, 12: Stadt Altötting; Bild 5: Tourismus Lenggries / Adrian Greiter; Bild 7: Berchtesgaden; Bild 8: gwt Starnberg; Bild 9: Judith Weber; Bild 10: Inn-Salzach; Bild 13: Katharina Krautmann