Roche meldet Fortschritt gegen Lungenkrebs: Was die neue Divarasib-Studie wirklich zeigt
von belmedia Redaktion Allgemein Basel-Stadt Europa Experten Forschung Gesundheit hospital.ch Innovation Krankheiten Medizin nachrichtenticker.ch News Prävention Produkte Regionen Schweiz Schweiz Technologie Themen Unternehmen xund24.ch
Ein neuer Wirkstoff des Schweizer Pharmakonzerns Roche hat in einer grossen klinischen Studie vielversprechende Ergebnisse bei Lungenkrebs erzielt. Patienten mit einer bestimmten genetischen Veränderung ihrer Krebszellen lebten unter der Behandlung mit Divarasib länger als Patienten, die bisher verfügbare Medikamente erhielten. Die Ergebnisse könnten künftig neue Behandlungsmöglichkeiten eröffnen. Noch befindet sich Divarasib allerdings in der klinischen Entwicklung.
In der internationalen Phase-III-Studie Krascendo 1 untersuchten Forscher, wie gut Divarasib bei Menschen mit bereits behandeltem, fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs wirkt. Die neue Behandlung wurde direkt mit den beiden bereits zugelassenen Wirkstoffen Sotorasib und Adagrasib verglichen. Alle Studienteilnehmer hatten eine bestimmte genetische Veränderung, die als KRAS-G12C-Mutation bezeichnet wird.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Roche hat positive Ergebnisse einer grossen Phase-III-Studie zum Wirkstoff Divarasib veröffentlicht.
- Das mediane Gesamtüberleben betrug 17,7 Monate mit Divarasib gegenüber 12 Monaten mit bisherigen Therapien.
- Das relative Sterberisiko war während der Studie um 44 Prozent geringer.
- Divarasib richtet sich gegen eine bestimmte genetische Veränderung, die bei einem Teil der Lungenkrebspatienten vorkommt.
- Der Wirkstoff befindet sich weiterhin in der klinischen Entwicklung und ist laut Roche-Mitteilung noch nicht zugelassen.
Neue Behandlung zeigt Vorteile beim Überleben
Das wichtigste Ergebnis der Studie betrifft die Lebenszeit der Patienten. In der Divarasib-Gruppe lag das sogenannte mediane Gesamtüberleben bei 17,7 Monaten. Bei den Patienten, die Sotorasib oder Adagrasib erhielten, waren es 12 Monate.
Der Begriff „medianes Gesamtüberleben“ beschreibt den Zeitpunkt, zu dem noch die Hälfte der jeweiligen Patientengruppe lebte. Er ist nicht mit der durchschnittlichen Lebensdauer gleichzusetzen und erlaubt keine genaue Vorhersage für einzelne Patienten.
Die statistische Auswertung zeigte zudem, dass das relative Sterberisiko unter Divarasib im Vergleich zu den bisherigen Behandlungen um 44 Prozent geringer war. Dieser Unterschied war statistisch signifikant. Die sogenannte Hazard Ratio betrug 0,56 bei einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,41 bis 0,78 und einem p-Wert von 0,0005.¹ ²
Einfach erklärt: Was bedeuten 44 Prozent weniger Sterberisiko?
Die Zahl beschreibt einen relativen Unterschied zwischen den Behandlungsgruppen während der Studie. Sie bedeutet nicht, dass 44 von 100 Patienten zusätzlich überlebten.
Die Überlebenszeiten von 17,7 und 12 Monaten sind Medianwerte. Manche Patienten lebten kürzer, andere deutlich länger. Wie sich eine Behandlung bei einem einzelnen Menschen auswirkt, lässt sich daraus nicht vorhersagen.
Roche stellte die Ergebnisse am Kongress 2026 der European Society for Medical Oncology (ESMO) in Madrid vor. Gleichzeitig wurden sie im medizinischen Fachjournal „The New England Journal of Medicine“ veröffentlicht.¹ ²
Levi Garraway, Chief Medical Officer und Leiter der globalen Produktentwicklung bei Roche, sieht darin das Potenzial für einen neuen Behandlungsstandard. Die Ergebnisse der direkten Vergleichsstudie unterstrichen nach seinen Worten die Wirksamkeit von Divarasib. Roche arbeite eng mit den Gesundheitsbehörden zusammen, um den Wirkstoff den betroffenen Patienten zugänglich zu machen.
Warum Divarasib nicht bei jeder Form von Lungenkrebs wirkt
Lungenkrebs ist nicht gleich Lungenkrebs. Tumoren können sich in ihren Eigenschaften und genetischen Veränderungen erheblich unterscheiden. Deshalb werden zunehmend Medikamente entwickelt, die gezielt bestimmte Veränderungen in Krebszellen angreifen.
Divarasib wurde für Patienten entwickelt, deren Tumor eine sogenannte KRAS-G12C-Mutation aufweist. Dabei handelt es sich um eine Veränderung in einem Gen, das normalerweise an der Steuerung des Zellwachstums beteiligt ist.
Das KRAS-Gen liefert die Bauanleitung für ein Protein, das wie ein Schalter funktioniert. Es kann Wachstumssignale ein- und ausschalten. Bei einer KRAS-G12C-Mutation bleibt dieser Schalter vereinfacht gesagt zu häufig aktiv. Dadurch können Krebszellen unkontrolliert wachsen.
Divarasib soll das veränderte Protein gezielt blockieren und so die Signale unterbrechen, die das Tumorwachstum fördern.⁷ ⁸ ⁹
Was ist eine KRAS-G12C-Mutation?
Man kann sich das KRAS-Protein wie einen Schalter vorstellen, der einer Zelle sagt, wann sie wachsen soll.
Bei der KRAS-G12C-Mutation funktioniert dieser Schalter nicht mehr richtig. Wachstumssignale können dauerhaft aktiv bleiben und das Wachstum eines Tumors fördern.
Divarasib soll den veränderten Schalter gezielt ausschalten. Das Medikament richtet sich deshalb nur gegen Tumoren mit dieser bestimmten Mutation.
Die KRAS-G12C-Mutation kommt nach Angaben von Roche bei ungefähr 12 bis 14 Prozent der Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs vor. Das entspricht etwa jedem achten Betroffenen.³ ⁴
KRAS-Veränderungen insgesamt treten bei ungefähr einem Viertel der neu diagnostizierten Lungenkrebsfälle auf. Studien deuten darauf hin, dass Patienten mit einer KRAS-G12C-Mutation teilweise ungünstigere Behandlungsergebnisse haben als Patienten ohne diese Mutation.⁵ ⁶ ⁹
Damit ist Divarasib keine Behandlung für sämtliche Formen von Lungenkrebs. Ob eine solche zielgerichtete Therapie grundsätzlich infrage kommt, hängt unter anderem von den genetischen Eigenschaften des Tumors ab.
Die wichtigsten Studienergebnisse im Vergleich
Die Studie untersuchte nicht nur, wie lange die Patienten lebten. Die Forscher wollten auch wissen, wie lange die Krankheit unter Kontrolle blieb, wie häufig Tumoren auf die Behandlung ansprachen und wie lange diese Wirkung anhielt.
Bei allen fünf ausgewerteten Wirksamkeitskennzahlen schnitt Divarasib besser ab als die Vergleichsbehandlungen.¹ ²
KRASCENDO 1 · PHASE III
Divarasib im direkten Vergleich
338 Patienten mit bereits behandeltem, KRAS-G12C-mutiertem Lungenkrebs: 167 erhielten Divarasib, 171 Sotorasib oder Adagrasib.
Bisherige Therapien
Medianes Gesamtüberleben
Zeitpunkt, zu dem noch die Hälfte der Patienten lebte
17,7 Monate
12,0 Monate
Hazard Ratio: 0,56 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,41–0,78); p=0,0005
Medianes progressionsfreies Überleben
Zeit ohne Fortschreiten der Erkrankung oder Tod
9,8 Monate
5,7 Monate
Hazard Ratio: 0,58 (95-Prozent-Konfidenzintervall: 0,44–0,76); p<0,0001
Nach 12 Monaten ohne Fortschreiten der Erkrankung
Anteil der Patienten, die noch lebten und deren Erkrankung nicht fortgeschritten war
44 %
24 %
Bestätigte objektive Ansprechrate
Anteil der Patienten, bei denen der Tumor messbar auf die Behandlung ansprach
58 %
32 %
Mediane Ansprechdauer
Wie lange die festgestellte Wirkung auf den Tumor anhielt
11,9 Monate
6,9 Monate
Relatives Sterberisiko
−44 %
Hazard Ratio: 0,56
Risiko für Fortschreiten oder Tod
−42 %
Hazard Ratio: 0,58
Die Balken zeigen die jeweiligen Studienwerte. Die Risikoreduktionen sind relative statistische Werte und keine absoluten Prozentpunkte. Die Ansprechrate wurde in der dafür auswertbaren Patientengruppe bestimmt; die Ansprechdauer nur bei Patienten mit einem Ansprechen.
Quelle: Roche, Phase-III-Studie Krascendo 1, ESMO 2026.
Für die Auswertung der Ansprechrate konnten 328 Patienten berücksichtigt werden. Zehn Studienteilnehmer hatten zu Beginn keine messbare Erkrankung und wurden deshalb aus dieser Auswertung ausgeschlossen. Davon gehörten sechs zur Divarasib-Gruppe und vier zur Vergleichsgruppe. Die Ansprechdauer wurde bei den Patienten bestimmt, deren Tumor auf die Behandlung angesprochen hatte: 94 unter Divarasib und 54 unter den Vergleichsmedikamenten.
Die wichtigsten Studienbegriffe einfach erklärt
- Gesamtüberleben (OS): Wie lange Patienten nach Beginn der Studienbehandlung leben.
- Progressionsfreies Überleben (PFS): Wie lange die Erkrankung nicht fortschreitet und die Patienten am Leben bleiben.
- Objektive Ansprechrate (ORR): Bei wie vielen Patienten der Tumor messbar kleiner wird oder die messbaren Tumorzeichen vollständig verschwinden.
- Ansprechdauer (DOR): Wie lange ein festgestelltes Ansprechen des Tumors anhält.
- Median: Der mittlere Wert einer geordneten Datenreihe. Die Hälfte der Werte liegt darüber, die andere darunter.
Auch das Fortschreiten der Krankheit wurde länger hinausgezögert
Ein weiterer wichtiger Messwert ist das progressionsfreie Überleben. Damit bezeichnen Mediziner die Zeit, in der die Krebserkrankung nicht weiter fortschreitet und der Patient am Leben bleibt.
In der Divarasib-Gruppe betrug dieser Zeitraum im Median 9,8 Monate. In der Vergleichsgruppe waren es 5,7 Monate. Das relative Risiko für ein Fortschreiten der Erkrankung oder den Tod war unter Divarasib um 42 Prozent geringer. Die Hazard Ratio lag bei 0,58 mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,44 bis 0,76 und einem p-Wert unter 0,0001.¹ ²
Nach zwölf Monaten lebten 44 Prozent der mit Divarasib behandelten Patienten ohne Fortschreiten ihrer Erkrankung. In der Vergleichsgruppe waren es 24 Prozent.
Auch die Tumoren sprachen häufiger auf die neue Behandlung an. Die bestätigte objektive Ansprechrate betrug unter Divarasib 58 Prozent gegenüber 32 Prozent unter Sotorasib oder Adagrasib. Bei Patienten, deren Tumor auf die Behandlung ansprach, hielt diese Wirkung im Median 11,9 Monate an. In der Vergleichsgruppe waren es 6,9 Monate.
Die Vorteile beim Gesamtüberleben und beim progressionsfreien Überleben zeigten sich laut Roche über verschiedene medizinisch relevante Patientengruppen hinweg. Sie wurden unabhängig davon beobachtet, ob bestimmte weitere Tumormerkmale wie die PD-L1-Expression oder Veränderungen im KEAP1-Gen vorlagen.¹ ²
Welche Nebenwirkungen wurden beobachtet?
Auch Medikamente, die gezielt bestimmte Eigenschaften von Krebszellen angreifen, können Nebenwirkungen verursachen. Deshalb wurde in der Studie nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Verträglichkeit von Divarasib untersucht.
Das Sicherheitsprofil entsprach laut Roche den bekannten Eigenschaften der Wirkstoffgruppe der KRAS-G12C-Hemmer. Neue Sicherheitssignale wurden nicht festgestellt. Zu den häufigsten behandlungsbedingten Beschwerden gehörten Durchfall, Übelkeit und Erbrechen. Ausserdem wurden unerwünschte Auswirkungen auf die Leber beobachtet. Die meisten behandlungsbedingten Nebenwirkungen waren leicht ausgeprägt und beherrschbar.¹ ²
Unter Divarasib brachen 4,8 Prozent der Patienten die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. Bei Sotorasib oder Adagrasib waren es 11,7 Prozent.
Schwerwiegende behandlungsbedingte Nebenwirkungen traten bei 7,8 Prozent der Patienten unter Divarasib auf. In der Vergleichsgruppe waren es 15,2 Prozent. Dabei blieben die Patienten in der Divarasib-Gruppe im Median 11,3 Monate in Behandlung, während es in der Vergleichsgruppe 5 Monate waren.¹ ²
Wie sind diese Nebenwirkungen einzuordnen?
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Divarasib in dieser Studie trotz längerer Behandlungsdauer seltener zu schwerwiegenden behandlungsbedingten Nebenwirkungen und Therapieabbrüchen führte als die Vergleichsmedikamente.
Das bedeutet nicht, dass der Wirkstoff frei von Risiken ist. Auch bei einer zielgerichteten Krebstherapie müssen mögliche Nebenwirkungen sorgfältig überwacht werden.
Was bedeutet das Ergebnis für Patienten?
Die Ergebnisse sind besonders für Menschen mit fortgeschrittenem Lungenkrebs wichtig, deren Erkrankung nach einer früheren Behandlung erneut fortgeschritten ist. Für diese Patienten stehen zwar bereits zielgerichtete Medikamente zur Verfügung, doch nicht alle sprechen dauerhaft darauf an.
Studienleiter Ferdinandos Skoulidis, Professor für Thorax-, Kopf- und Halsonkologie am MD Anderson Cancer Center der University of Texas, betont deshalb den Bedarf an neuen lebensverlängernden Behandlungen. Viele Patienten mit dieser Krebsform erleiden nach einer ersten Therapie einen Rückfall, während die Möglichkeiten zur weiteren Behandlung begrenzt sind.
Skoulidis bezeichnet die Krascendo-1-Ergebnisse als potenziell wegweisend. Divarasib sei der erste KRAS-Hemmer, der bei bereits behandeltem KRAS-G12C-mutiertem Lungenkrebs im direkten Vergleich mit bisherigen Behandlungsmöglichkeiten eine bedeutsame Verbesserung des Gesamtüberlebens gezeigt habe.
Allerdings sind positive Studienergebnisse nicht mit einer behördlichen Zulassung gleichzusetzen. Ob und wann Divarasib ausserhalb klinischer Studien eingesetzt werden kann, hängt von den weiteren regulatorischen Verfahren ab.
Ist Divarasib bereits zugelassen?
Nein, in der vorliegenden Roche-Mitteilung wird Divarasib als Prüfmedikament beschrieben. Der Wirkstoff befindet sich weiterhin in der klinischen Entwicklung.
Die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA hat Divarasib besondere regulatorische Einstufungen erteilt. Diese können die Entwicklung und Prüfung unterstützen, ersetzen aber keine Arzneimittelzulassung.
Wie wurde die Studie durchgeführt?
Krascendo 1 ist eine internationale, randomisierte Phase-III-Studie. Das bedeutet, dass die Teilnehmer nach dem Zufallsprinzip einer der Behandlungsgruppen zugeteilt wurden. Die Studie wurde an mehreren medizinischen Zentren durchgeführt und war offen angelegt: Patienten und behandelnde Ärzte wussten, welches Medikament verabreicht wurde.
Insgesamt nahmen 338 Erwachsene mit bereits behandeltem, fortgeschrittenem oder metastasiertem KRAS-G12C-mutiertem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs teil.
167 Patienten erhielten einmal täglich Divarasib. Die übrigen 171 Patienten wurden mit einem der beiden bereits zugelassenen KRAS-G12C-Hemmer behandelt: Sotorasib einmal täglich oder Adagrasib zweimal täglich.
Der wichtigste vorab festgelegte Messwert der Studie war das progressionsfreie Überleben. Dieses wurde durch eine unabhängige zentrale Überprüfung beurteilt, bei der die auswertenden Fachpersonen nicht wussten, welche Behandlung die jeweiligen Patienten erhalten hatten. Weitere wichtige Messwerte waren das Gesamtüberleben, das Ansprechen der Tumoren, die Dauer dieses Ansprechens sowie Sicherheitsdaten.
Die Studie ist unter der Kennnummer NCT06497556 im internationalen Studienregister ClinicalTrials.gov verzeichnet.
Roche untersucht Divarasib auch in weiteren Behandlungssituationen
Die Forschung zu Divarasib beschränkt sich nicht auf Patienten, die bereits eine Behandlung erhalten haben. Roche untersucht den Wirkstoff auch in anderen Phasen der Erkrankung und in Kombination mit weiteren Medikamenten.
Das Entwicklungsprogramm umfasst drei grosse Phase-III-Studien.
Krascendo 1 – Nach einer früheren Behandlung
Was wird verglichen? Divarasib allein gegenüber Sotorasib oder Adagrasib.
Für wen? Patienten mit bereits behandeltem, fortgeschrittenem oder metastasiertem KRAS-G12C-mutiertem Lungenkrebs (Zweitlinientherapie).
Krascendo 2 – Erste Behandlung bei fortgeschrittener Erkrankung
Was wird verglichen? Divarasib zusammen mit dem Immuntherapeutikum Pembrolizumab gegenüber Chemotherapie plus Pembrolizumab.
Für wen? Patienten mit zuvor unbehandeltem, fortgeschrittenem KRAS-G12C-mutiertem Lungenkrebs (Erstlinientherapie).
Krascendo 3 – Ergänzende Behandlung nach einer Operation
Was wird verglichen? Divarasib allein als ergänzende Behandlung gegenüber Immuntherapie oder Beobachtung.
Für wen? Patienten mit operativ entferntem KRAS-G12C-mutiertem Lungenkrebs im Stadium II bis IIIB nach standardmässiger Chemoimmuntherapie.
Divarasib gehört zu einer grösseren Forschungsstrategie von Roche. Das Unternehmen entwickelt weitere Medikamente, die gezielt bestimmte Veränderungen im sogenannten RAS-Signalweg angreifen. Dieser Signalweg spielt bei der Steuerung des Zellwachstums eine wichtige Rolle.
Warum neue Therapien gegen Lungenkrebs wichtig sind
Lungenkrebs gehört weltweit zu den schwerwiegendsten Krebserkrankungen. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sterben jedes Jahr rund 1,8 Millionen Menschen daran. Die Zahl der Todesfälle liegt höher als bei Brust-, Prostata- und Magenkrebs zusammen.¹⁰ ¹¹ ¹²
Ungefähr 85 Prozent der Lungenkrebserkrankungen gehören zur Gruppe des nicht-kleinzelligen Lungenkrebses. Dazu zählen verschiedene Tumorarten, die sich unter anderem in ihren genetischen Eigenschaften unterscheiden können.
Solche Unterschiede sind für die Behandlung zunehmend wichtig. Moderne Krebstherapien versuchen nicht mehr ausschliesslich, möglichst viele sich schnell teilende Zellen zu zerstören. Sie können auch bestimmte Veränderungen in Krebszellen gezielt angreifen oder das körpereigene Immunsystem bei der Krebsbekämpfung unterstützen.
Die Entwicklung von Divarasib ist ein Beispiel für diesen Ansatz. Der Wirkstoff soll gezielt das veränderte KRAS-G12C-Protein hemmen und damit eine wichtige Ursache für das Wachstum bestimmter Tumoren beeinflussen.
Warum sind Gentests bei Lungenkrebs wichtig?
Zwei Patienten können dieselbe Krebsart haben, obwohl sich ihre Tumoren genetisch unterscheiden.
Bei einer molekularen Untersuchung wird nach bestimmten Veränderungen in den Krebszellen gesucht. Solche Ergebnisse können Ärzten helfen, geeignete zielgerichtete Behandlungsmöglichkeiten zu erkennen.
Divarasib wurde speziell für Tumoren mit einer KRAS-G12C-Mutation entwickelt. Ob eine Behandlung infrage kommt, hängt jedoch auch vom Krankheitsstadium, von bisherigen Therapien und vom Zulassungsstatus ab.
Roche forscht seit mehr als 20 Jahren an Lungenkrebstherapien
Roche beschäftigt sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Erforschung und Behandlung von Lungenkrebs. Das Unternehmen entwickelt sowohl Medikamente als auch diagnostische Verfahren, mit denen Ärzte die Eigenschaften von Tumoren genauer untersuchen können.
Zum bereits zugelassenen Medikamentenportfolio des Unternehmens gehören Alecensa® (Alectinib), Tecentriq® (Atezolizumab) und Rozlytrek® (Entrectinib).
Die weitere Forschung konzentriert sich auf drei Bereiche: kleinzelligen Lungenkrebs, nicht-kleinzelligen Lungenkrebs mit gezielt behandelbaren genetischen Veränderungen und nicht-kleinzelligen Lungenkrebs ohne solche Veränderungen.
Dabei verfolgt Roche unterschiedliche Ansätze. Neben klassischen zellabtötenden Therapien und Immuntherapien gehören dazu Medikamente, die gezielt bestimmte Eigenschaften von Krebszellen angreifen.
Alle in dieser Mitteilung verwendeten oder erwähnten Marken sind gesetzlich geschützt.
Wissenschaftliche Quellen und Literatur
Die Angaben zu Divarasib und zur Krascendo-1-Studie beruhen auf der Roche-Mitteilung und den darin aufgeführten wissenschaftlichen Quellen. Die Ergebnisse beschreiben die untersuchten Patientengruppen und lassen sich nicht ohne Weiteres auf alle Menschen mit Lungenkrebs übertragen.
- [1] Skoulidis F, et al. Krascendo 1: Wirksamkeit und Sicherheit von Divarasib gegenüber Sotorasib oder Adagrasib bei bereits behandeltem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem KRAS-G12C-mutiertem NSCLC. Vorgestellt am ESMO-Kongress vom 23. bis 27. Oktober 2026 in Madrid, Spanien. #LBA5.
- [2] Skoulidis F, et al. Divarasib im Vergleich zu Sotorasib oder Adagrasib bei KRAS-G12C-mutiertem NSCLC. New England Journal of Medicine. 2026. DOI: 10.1056/NEJMoa2605703.
- [3] Nassar AH, et al. Verteilung somatischer KRAS-G12C-Mutationen nach ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht und Krebsart. New England Journal of Medicine. 2021;384(2):185–187.
- [4] Lee JK, et al. Umfassende genomische Landschaft von KRAS-veränderten Krebserkrankungen und Behandlungsergebnisse bei soliden Tumoren unter realen Versorgungsbedingungen. NPJ Precision Oncology. 2022;6(1):91.
- [5] Wankhede D, et al. Prognostische Bedeutung der KRAS-G12C-Mutation bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs: systematische Übersichtsarbeit und Metaanalyse. Diagnostics. 2023;13(19):3043.
- [6] Isaksson J, et al. KRAS-G12C-mutierter nicht-kleinzelliger Lungenkrebs im Zusammenhang mit weiblichem Geschlecht und hohem Risiko für Metastasen im zentralen Nervensystem: bevölkerungsbasierte Daten aus dem schwedischen Lungenkrebsregister. Clinical Lung Cancer. 2023;24(6):507–518.
- [7] Endres NF, et al. Entdeckung und Charakterisierung von Divarasib (GDC-6036), einem wirksamen kovalenten KRAS-G12C-Hemmer. Journal of Medicinal Chemistry. 2026;69(5):5147–5165.
- [8] Friedlaender A, et al. KRAS als therapeutisches Ziel bei NSCLC: Aufstieg nach jahrzehntelangen Entwicklungsrückschlägen. Cancer Treatment Reviews. 2020;85:101978.
- [9] Pakkala S, et al. Personalisierte Therapie bei Lungenkrebs: ein sich veränderndes Ziel treffen. JCI Insight. 2018;3(15).
- [10] Weltgesundheitsorganisation. Zunehmende globale Krebsbelastung bei wachsendem Bedarf an Versorgungsleistungen. 2024. WHO-Bericht.
- [11] American Lung Association. Lungenkrebsstatistik. Informationsblatt zu Lungenkrebs.
- [12] Weltgesundheitsorganisation. Lungenkrebs. WHO-Faktenblatt.
Quelle: Roche
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