Thurmed greift nach Spital Wetzikon – Option auf 51-Prozent-Mehrheit

Beim finanziell angeschlagenen Spital Wetzikon zeichnet sich eine weitreichende Lösung ab. Die Thurgauer Spitalgruppe thurmed hat sich die Option gesichert, bis Ende 2027 eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an der GZO AG zu übernehmen. Die Eigentümergemeinden und der Verwaltungsrat des Spitals haben dem Beteiligungsangebot zugestimmt. Bevor der Einstieg möglich wird, müssen allerdings noch die Gläubiger dem Nachlassvertrag zustimmen.

Damit könnte das Spital Wetzikon künftig mehrheitlich von einer Spitalgruppe aus dem Kanton Thurgau kontrolliert werden. Vollzogen ist die Übernahme jedoch noch nicht. Zunächst stehen weitere finanzielle und betriebliche Prüfungen an.

Sieben Millionen Franken als erster Schritt

Das Angebot von thurmed sieht zunächst ein Wandeldarlehen von sieben Millionen Franken vor. Dieses soll die Sanierung unterstützen und die mögliche Nachlassdividende für die Gläubiger verbessern.

Das Darlehen kommt nur zustande, wenn die Gläubiger dem Nachlassvertrag zustimmen. Nach einer erfolgreichen Sanierung erhält thurmed bis Ende 2027 die Möglichkeit, 51 Prozent der GZO AG zu übernehmen. Das Wandeldarlehen würde in diesem Fall in Aktienkapital umgewandelt.

Zusätzlich sieht das Modell vor, dass thurmed für 28 Millionen Franken neue Aktien der GZO AG erwirbt. Weitere 35 Millionen Franken sollen als Darlehen für einen Spitalneubau zur Verfügung gestellt werden.

Nach Angaben der Thurgauer Gruppe soll dafür eigenes Kapital eingesetzt werden. Staatliche Mittel sollen nicht in die Beteiligung fliessen.

Gemeinden bleiben mit 49 Prozent beteiligt

Auch nach einem möglichen Einstieg von thurmed würde das Spital Wetzikon regional verankert bleiben. Die heutigen Eigentümergemeinden sollen zusammen 49 Prozent der GZO AG behalten und weiterhin im Verwaltungsrat vertreten sein.

Die Gemeinden leisten selbst einen wichtigen Beitrag zur Sanierung. Sie stellen insgesamt 50 Millionen Franken neues Eigenkapital bereit. Zusammen mit dem vorgesehenen Schuldenschnitt soll damit die Bilanz des Spitals bereinigt werden.

Investitionen in moderne Spitalgebäude stellen viele Schweizer Gesundheitsunternehmen vor grosse finanzielle Herausforderungen. Wie umfangreich solche Infrastrukturprojekte sein können, zeigt auch die mehrjährige Erneuerung des Marie-Colinet-Hauses der Insel Gruppe.

Entscheid über Übernahme noch nicht gefallen

Dass thurmed die Option auf 51 Prozent erhält, bedeutet noch nicht, dass die Beteiligung tatsächlich vollzogen wird. Die Gruppe führt zunächst eine umfassende Unternehmensprüfung durch. Dazu gehören eine Due Diligence, ein neuer Businessplan sowie eine vertiefte Prüfung des Bauprojekts.

Eine Übernahme soll nur erfolgen, wenn auch die bestehenden Einrichtungen der thurmed Gruppe im Thurgau langfristig wirtschaftlich und qualitativ davon profitieren.

Fällt die Prüfung positiv aus, entscheidet zunächst der Verwaltungsrat von thurmed über die Ausübung der Option. Anschliessend hätte der Thurgauer Regierungsrat als Eigentümervertreter das letzte Wort.

Spital Wetzikon kämpft seit Jahren mit Finanzproblemen

Die GZO AG befindet sich seit Dezember 2024 in definitiver Nachlassstundung. Der operative Spitalbetrieb entwickelt sich zwar positiv, die Finanzierung grosser Investitionen und insbesondere des Neubaus brachte das Unternehmen jedoch in erhebliche Schwierigkeiten.

Die definitive Nachlassstundung läuft derzeit bis zum 19. Dezember 2026. Im Herbst sollen die Gläubiger über den Nachlassvertrag entscheiden.

Stimmen sie zu und verlaufen die anschliessenden Prüfungen erfolgreich, könnte das Spital Wetzikon spätestens Ende 2027 einen neuen Mehrheitsaktionär erhalten: die Thurgauer thurmed AG.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Deborah Spinelli/GZO Spital Wetzikon